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8 (1839)
Entstehung
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382
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BcrengariuS Tnronensis.

müssen? ob er wohl erscheinen dürfen? Daß Ä.anfrancus, einItaliener von Gcbnrth, an alles das nicht dachte, oder wenig-stens nicht that, als ob sich daran denken lassen könne, ist mirbegreiflich. Aber daß auch nie einem Franzosen der Gedankeeingekommen, das Ausbleiben des Berengarills aus diesem Ge-sichtspunkte zu rechtfertigen, wenigstens als verzeihlich vorzu-stellen, das läßt sich nicht anders, als ans einem alles über-wiegenden Abscheu gegen Ketzer und Ketzercy erklären. Magdoch das eine und das andere verdammt seyn, wie es will:wenn es denn nur verdammt ist!

Und das war das erste, wovon ich gesagt, daß es denBerengarius entschuldigen konnte. Doch der rcchtschafne Mannbraucht nicht immer die Entschuldigung, die er brauchen könnte;besonders läßt er gern von den eigenen Vorrechten nach, dieihm als Glied irgend einer Gesellschaft zustehen, wenn er durchdiese Entäusscrung Wahrheit und Tugend befördern kann. Znsolchen Angelegenheiten ist ihm jeder Richter sein Richter, so-bald er sich, ohne Vorurtheil von ihm gehöret zu werden, ver-sprechen darf.

Man kann wohl nicht sagen, daß sich dieses auch Beren-garius ganz gewiß zn versprechen hatte: gleichwohl war er be-reit, es darauf ankommen zu lassen. Nichts konnte ihn zwingen,sich vor einen Pabst zu stellen, wenn es auch ein noch so wür-diger gewesen wäre: alles widerrieth ihm, sich vor einen zustellen, der ihn ungchört schon vorläufig verdammt hatte. Aberdennoch wollte er der Würde die Ehrfurcht nicht entziehen, de-ren sich der, welcher sie bekleidete, verlustig gemacht hatte: erwollte sich stellen. Nur vor sich selbst durfte er es zu thunnicht wagen; er mnßte höhere Erlaubniß dazn haben, und keinegeringere, als des Königs selbst. Er macht sich auf, diese zu

suchen; er kömmt nach Paris ; und - Was meynen Sie,

daß ihm geschieht? Sie meynen, daß ihm der König eine demAnsehen seiner Kirche so nachtheiligc, dem Derengarius selbstso gefährliche Erlaubniß versagte? So mitleidig grausam warder König nicht. Und wohl, daß er es nicht war! Als ob,würde es doch nur itzt heissen, sich dergleichen Verweigerungennicht einleiten, nicht erschleichen liessen! Rathen Sie besser--