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Berengarius Turoiieiisis.
Nur einen Augenblick stehen Sie noch mit mir stille, umden ganzen Weg, den wir zurückgelegt, auf einmal zu übersehen.Und ich denke, wir sind eben auf eine Anhöhe gelangt, dieuns die ungehindertste Aussicht nicht allein rückwcrts, sondernauch vorwcrts gewähret. Hier liegen alle Krümmungen desgenommenen und noch zu nehmenden Weges deutlich vor unsernAugen, und wir erkennen überall die Ursachen, warum er so,und nicht anders lanffen müssen.
Zch meyne, das Räthsel, wie sich Berengarius gegen soviele Kirchcnvcrsammlungcn verhärten können, wie er es wagendürfen, immer wieder zu seiner entsagten Meynung zurück zukehren, und wie eS gekommen, daß die Kirche sich gleichwohlgegen einen so hartnäckigen Relapscn so sanft und nachsichts-voll erwiesen, dieses befremdende Räthsel ist gclösct.
Denn einmal haben wir gesehen, daß die Anzahl der gegenihn gehaltenen Kirchenversammlnngen, und die Anzahl seinerWicdcrruffe und Abschwörungcn, bey weitem so groß nicht ist,als sie ausgegeben wird. Das Concilium zu Paris ist ganzerlogen. Der Synodus zu Brione wird nicht viel besser seyn;wenigstens ist sicherlich mit Zuziehung des Zöerengarius da nichtsverhandelt worden. Die Concilia unter Victor dem zweytenfallen alle weg. Auf den Kirchcnversammlungen zu Rom undVcrcclli, unter Ä.ec> dem neunten, ward er ungchörct und ab-wesend verdammet. Auf der zu Tours, die seinetwegen garnicht angestellt war, ward nichts untersucht, ward nichts vonihm abgeschworen; sondern er übergab da lediglich sein Glau-bensbekenntnis), und ließ sich nur gefallen, mit einem Eide zubekräftigen, daß solches Bekenntniß seine wahre, eigentliche Mey-nung enthalte: so daß, nach aller Strenge, dieses Conciliumnicht wider, sondern für ihn ist, indem man mit seinem Glau-ben zufrieden war, und nur die Bekräftigung verlangte, daßes sein wahrer Glaube sey. Folglich bleibt nichts übrig als dasConcilium zu Rom unter Nicolao dem zweien, von dem mansagen könnte, daß es ihn seiner Kctzercyen überführt habe; vondem man sagen könnte, daß es ihn hätte verbinden müssen,weil er sich seinen Aussprüchcn unterwarf. Aber wie unterwarfer sich diesen? Wie sehr Recht hatte er, sich noch immer für