Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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426
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Vermischte Schriften, erster Theil.

deute, und ehedem nur bedeutet habe. Genug, daß ein jedervon selbst sehe, daß es jetzt dieses nicht mehr bedeute. DasWort sey geblieben: aber die Bedeutung des Wortes habe sichverändert.

Gleichwohl ist gewiß, daß der Sprachgebrauch nur seltenganz ohne Grund, ist. Das Ding, dem er einen gewissen Na-men zu geben fortfährt, fähret ohnstrcitig auch fort, mit demje-nigen Dinge etwas gemein zu behalten, für welches dieser Nameeigentlich erfunden war.

Und was ist dieses hier? Was hat das witzigste Sinnge-dicht eines Marrial mit der trockncstcn Aufschrift eines altenDenkmahls gemein, so daß beide bey einem Volke, dessen Sprachewohl am wenigsten unter allen Sprachen dem Zufalle überlas-sen war, einerley Namen führen konnten?

Diese Frage ist nicht die nehmliche, welche Skaliger, zu An-fange seines Hauptstücks über das Epigramm, aufwirft. (") Ska-ligcr fragt:warum werden nur die kleinen Gedichte Epigrammengenennt?Das heißt annehmen, daß alle kleine Gedichteohne Unterschied diesen Namen führen können, und daß ernicht bloß einer besondern Gattung kleiner Gedichte zukömmt.

Daher können mich auch nicht die Antworten des Skaligcrsbefriedigen, die er, aber auch nur fragwcisc, darauf ertheilet.Etwa, sagt er, eben darum, weil sie klein, weil sie kaum mehr,als die bloße Aufschrift sind? Oder etwa darum, weil wirklichdie ersten kleinen Gedichte auf Denkmähler gcsetzct wurden, undalso im eigentlichen Verstände Aufschriften waren?

Jenes, wie gesagt, setzt etwas falsches voraus, und machtallen Unterricht über das Epigramm überflüßig. Denn wennes wahr ist, daß bloß die Kürze das Epigramm macht, daßjedes Paar einzelne Verse ein Epigramm sind: so gilt der kau-stische Einfall jenes Spaniers, von dem Epigramme vornehm-lich;wer ist so dumm, daß er nicht ein Epigramm machen

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