Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
427
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Anmerkimgcn über das Epigramm. 427

könnte; aber wer ist so ein Narr, daß er sich die Mühe nch-mcn sollte, deren zwey zu machen?

Dieses aber sagt im Grunde nichts mehr, als was ich beymeiner Frage als bekannt annehme. Ich nehme an, daß dieersten kleinen Gedichte, welche auf Denkmähler gesetzt wurden,Epigrammen hießen: aber darinn liegt noch kein Grund, warumjetzt auch solche kleine Gedichte Epigrammen heißen, die aufDenkmähler gesetzt zu werden, weder bestimmt noch geschickt sind.Oder höchstens würde wiederum aller Grund auf die, beidengemeinschaftliche, Kürze hinaus laufen.

Zch finde nicht, daß die nenrern Lehrer der Dichtkunst, beyihren Erklärungen des Epigramms, auf meine Frage mehr Rück-sicht genommen hätten. Wenigstens nicht Doileau, von demfreylich ohnedem keine schulgcrcchte Definition an dem Orte(")zu verlangen war, wo er sagt, daß das Epigramm oft weiternichts sey, als ein guter Einsall mit ein Paar Reimen verzieret.Aber auch Nktceux nicht, der das Epigramm als einen interessan-ten Gedanken beschreibt, der glücklich und in wenig Worten vor-getragen wird. Denn weder hier noch dort sehe ich die geringsteUrsache, warum denn nun aber ein guter gereimter Einfall, einkurz und glücklich vorgetragener interessanter Gedanke, eben eineAufschrift, ein Epigramm heißt. Oder ich werde mich auch beyihnen beiden damit begnügen müssen, daß wenige Reime, Einkurzer Gedanke, wenig und kurz genug sind, um auf einemDenkmahle Platz zu finden, wenn sie sonst anders Platz darauffinden können.

Gewiß ist es, daß es nicht die Materie seyn kann, welchedas Sinngedicht noch ietzt berechtiget, den Namen Epigrammzu führen. Es hat längst aufgehöret, in die engen Grenzeneiner Nachricht von dem Ursprünge und der Bestimmung irgendeines Denkmahls eingeschränkt zu seyn, und es fehlet nicht viel,so erstreckt es sich nun über alles, was ein Gegenstand dermenschlichen Wißbegierde werden kann.

Folglich aber muß es die Form seyn, in welcher die Bcant-

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