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Vermischte Schriften, visier Theil.
liche geschrieben worden. Dem? diese möchte man schon des-wegen nicht für Sinngedichte wollen gelten lassen, weil ihnendie Einheit fehlet, die nicht in der Einheit der nehmlichenPerson, sondern in der Einheit der nehmlichen Handlung be-stehen muß, wenn sie der Einheit des Gegenstandes in der ei-gentlichen Aufschrift entsprechen soll. Aber auch alsdenn, wenndas Gedicht nur eine einzige völlig zugcrundcte Handlung ent-halt, ist es noch kein Sinngedicht, Falls man uns nicht etwasdaraus schließen, oder durch irgend eine feine Bemerkung indas Innere derselben tiefer eindringen laßt.
Wenn z. E. Martial sich begnügt hätte, die bekannte Ge-schichte des XNucms Skavola in folgende vier Ncrsc zu fassen^):
Dum peleret regem «lecenta tatellitv llextr.i,Injecit laeiis le perltura koels.
8e«1 tarn lseva piu5 mli'aeula non tulil Iwltis,üt raptum klimmns justlt alilre virnm.
würden wir wohl sagen können, daß er ein Sinngedicht aufdiese Geschichte gemacht habe? Kaum wäre es noch eines, wenner bloß hinzugesetzt hätte:
Vi'ere <mc>m poluit contemln KIneius igne,Ilane tneetaro mimum I^urlena non notuit.Denn auch das ist noch nicht vielmehr als Geschichte; undwodurch es ein völliges Sinngedicht wird, sind lediglich die end-lichen letzten Zeilen:
Aajor <teeenl!« k>ma ekt, et Zlor!» ü'exlrse:8i uon errallel, keeerat illa minus.Denn nun erst wissen wir, warum der Dichter unsere Auf-merksamkeit mit jener Begebenheit beschäftigen wollen; und dasVergnügen über eine so feine Betrachtung, „daß oft der Jrr-„thum uns geschwinder und sichrer unsere Absicht erreichen hilft,„als der wohlüberlegte, kühnste Anschlag," verbunden mit demVergnügen, welches der einzelne Fall gewähret, macht das ge-stimmte Vergnügen des Sinngedichts.
Ohnstrcitig hingegen müssen wir uns nur mit der Helftedieses Vergnügens bey einigen Stücken der griechischen Anrho-
(°) /. c/,. 22.