Anmerkungen über das epigramm.
scönc das Lächerliche vermehre. Denn anstatt der durchgestoß-ncn Weste — Doch wer Lust hat, kann es bey dem Zdarchselbst nachsehen (°). Es ist vielmehr Zeit, daß ich dergleichenSinngedichte überhaupt, in welchen der Leser seine Erwartung,nicht ohne Vergnügen, vielmehr getäuscht, als erfüllet sieht, voneiner allgemeinen Seite betrachte.
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Einige Leser dürften bey allem, was ich bisher von demSinngedichte gesagt habe, noch immer das Beste vermissen.Sie kennen es als das sinnreichste von allen kleinen Gedichten;als eine witzige Schnurre wohl nur: und doch ist des Witzesvon mir noch kaum gedacht worden; geschweige, daß ich dieverschiednen Quellen des Sinnreichen anzugeben gesucht hätte.Ich habe die ganze Kraft, die ganze Schönheit des Epigrammsin die erregte Erwartung, und in die Befriedigung dieser Er-wartung gesetzt; ohne mich weiter einzulassen, durch welche Artvon Gedanken und Einfällen solche Befriedigung am besten ge-schehe. Was die lateinischen Kunstrichter aeumins, und diefranzösischen nointes nennen, habe ich weder erfodert, noch bis-her verworfen.
Wenn indeß unter diesen Worten nichts anders verstandenwerden soll, als derjenige Gedanke, um dessen willen die Er-wartung erregt wird, der also natürlicher Weise nach der Er-wartung, am Ende des Ganzen, stehen muß, und sich von allenübrigen Gedanken, als die nur seinetwegen da sind, nicht an-ders als auszeichnen kann: so ist es wohl klar, daß das Sinn-gedicht ohne dergleichen acumon oder poinw schlechterdings nichtseyn kann. Es bleibt vielmehr, dieses scumon, das wahre all-gemeine Kennzeichen desselben, und man hat Recht, allen kleinenGedichten, denen es mangelt, den Namen des Sinngedichts zuversagen; wen» sie auch sonst noch so viel Schönheiten haben,die man ihnen auf keine Weise darum zugleich streitig macht.
Wenn hingegen unter »minien, oder pointv, man etwasmeynet, was bloß das Werk des Witzes ist; mehr ein Gcdan-kcnspiel, als einen Gedanken; einen Einfall, dessen Anzügliches
(°) ^tlver», I/I>I. XXXVI. c, ll.