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Vermischte Schriften. Erster Theil.
größtenthcils von der Wahl oder Stellung der Worte entstehet,in welchen er ausgedrückt ist; oder von dem wohl gar nichtsGesundes übrig bleibt, sobald man diese Worte ändert, oderversetzt: so ist die Frage, ob das Sinngedicht nothwendig einedergleichen polnw haben müsse? der Frage vollkommen gleich,ob man besser thue, seine Schulden in guter, oder in falscherMünze zu bezahlen?
Denn so wie es nur der Mangel an guter Münze ist, wel-cher falsche Münze zu prägen verleitet: eben so ist es nur dieSchwierigkeit, jede erregte iLrrvartung immer mit einem neuenund doch wahren, mit einem scharfsinnigen und doch ungekün-stelten Aufschlüsse zu befriedigen, — nur diese Schwierigkeit,sag ich, ist es, welche nach Mitteln umzuschauen verführet,durch die wir jene Befriedigung geleistet zu haben, wenigstensscheinen können.
Glücklich, wenn man unter diesen Mitteln nur noch dieerträglichsten zu wählen verstehet! Denn es giebt in der Thatauch hier p«duanische Münzen, die zwar falsche aber doch vonso schönem, und dem wahren so nahe kommenden Stempel sind,daß sie gar wohl aufbehalten zu werden verdienen. Za es giebtnoch andere, deren innerer Werth nur wenig geringer ist, alsder echten; so daß der Münzcr wenig mehr als den Schlage-schatz dabey gewinnen konnte.
Besonders möchte ich mit dergleichen weder ganz falschen,noch ganz echten Münzen, die, wenn sie schon nicht im Handelund Wandel gelten können, doch immer schöne Spielmarken ab-geben, zwey Gattungen von Sinngedichten vergleichen, die, ohnezu den vollkommncn zu gehören, doch von je her, auch unterLeuten von Geschmack, ihre Liebhaber gefunden haben, und sonoch ferner finden werden. Unter der ersten Gattung versteheich die, welche uns mit ihrer Erwartung hintergehen: und nn-ter der andern die, deren Aufschluß in einer Zweydeutigkeitbestehet. — Von jeder ein Wort,
1. Das Neue ist, eben weil es neu ist, dasjenige, was ammeisten überrascht. Ob nun gleich dieses Ucberraschcndc nichtdas einzige seyn muß, wodurch das Neue gefällt, so ist es dochunstreitig, daß schon die bloße Ueberraschung angenehm ist.