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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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hältniß von 80 Proccut dcS Vorhandenen stattgefunden. Folg-lich wcndct sich das Wehklagen über dic Goldauöfnhr ganzmit Unrecht an das neue Reich. Wie die Thatsachen bisheute vorliegen, hat sich nichts geändert, als daß die Gold-stücke, welche ehedem FricdrichSdor, Pistolen, Goldkronen,Dukaten, Zehn- nnd Fünfgnldcnstückc hießen, nunmehr inZwanzig- und Zehnmarkstücke umgewandelt siud. Will etwajemand behaupten, daß der Name oder das Gepräge oderdas Gewicht dieser neuen Münzen allein sie hinanstrcibe?Nehmen wir für einen Moment an, es wäre vom DeutschenReiche die Einführung der Goldwährung nie beschlossen oderüberhaupt dic Münzordnnng gar nicht in Angriff genommenworden; es wäre alles hübsch beim alten geblieben. Würdenwir etwa in den Jahren 1873 und 1874 keine Goldmünzencxportirt haben? Unterblieben wäre das nnr unter zweiBedingungen: entweder daß wir nichts an Goldmünzen be-sessen oder daß dieselben bei der Ausfuhr nicht Rechnunggegeben hätte».

Betrachten wir uns eins nach dein andern. Bereits hieroben ist erwähut, daß iu den Jahren 1873 und 1874 andcntschen Goldmünzen auf Anordnung dcS Reiches eingezogenwnrdcn für 100 Millionen Mark; diese waren also unlcng-bar vorhaudcn. Ferner ist bekannt, daß in deutschen Landennach altem bunten Branche Silber- nnd noch viel mehr Gold-münzen ans aller Herren Ländcru mit Bürgerrecht und Frei-zügigkeit versehen sich Umtrieben. Das Bedürfniß nach Gold-münzen war in alten und namentlich in neuern Zeiten sostark, daß wir in Ermangelung eigener die fremden ein-bürgern mußten. In den entlegensten Winkeln Deutschlands ,für die täglichen Geschäfte selbst des bäuerlichen Verkehrs,