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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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einzureihen, was nicht viel beweist, wenn man erwägt, daßin der schwachen Mehrheit, welche so beschloß, religiöse nndpolitische Motive den Ausschlag gaben; aber die RcichS-rcgicrnng hat vollkommen recht, wenn sie, von ihrer aus-führeudcu Gewalt einen verständigen Gebrauch machend, sichvorerst weigert, Zweimarkstücke zn prägen. Mit der Zeit,wenn unsere neue Münzverfassung sich eingelebt, wenn dieSpuren des alten Lotterwcscns so wcit übcrwnnden sein werden,daß fremde Geldstücke vom deutschen Volke wie von einemjeden mit StaatSgcsühl erfüllten Volke stillschweigend zurück-gewiesen werden, dann mag auch von der Ermächtigung,Zweimarkstücke zu schlagen, Gebrauch zu macheu sein. Einnoch viel schlimmeres Erbstück der 18ö7er Münzconvcntionist der iu Oesterreich geprägte Thaler, dem wir auch nachdem Präger Frieden das einmal erlangte Bürgerrecht nichtentziehen konnten und den wir mit dem um 610 Proccnttheuerer gewordenen Golde einlösen müssen. Weil Oesterreich seine Barzahlungen einstellte, wurde sein Silberthalcr dortzu einem Luxus, dessen sich der Verkehr entledigte, um sichdes im österreichischen Jnlaude glcichgcltcnden Papiergeldeszu bedienen; da er aber nach der Convention auch bei unsgalt, so kam das letzte Stück nach Deutschland , um deuVortheil zu genießen, mit dem mehrwcrthigcn Thaler Goldsich zn vermengen. Und das waren doch nur die Nachtheileeiner Münzconvcntion, welche einerseits nicht einmal zurvollen Nnification zwischen beiden Staaten führen sollte undandererseits dnrch Krieg und Friedensschluß im ganzen nochrechtzeitig gelöst werden konnte.

Noch viel crasser stellt sich die Sache heraus, wenn wirciucu Blick auf die berühmte Lateinische Münzconvcntion