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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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hältniß ihncn zuführen mußte. Diese wuchtigen Thatsachenin so kurzen Zeitraum zusammengedrängt mögen genügen znzeigen, daß alle Münzconvcntioncn von Haus aus auf einerdie Thatsachen verkennenden Abstraction rnhen. Man brauchtaber solche schlagende Vorgänge, um nachzuweisen was soviele Meuschcu zu crfasscu sich weigern, weil es ihren Licb-lingsidcen widerspricht.

Führt nicht ein Blick auf den Lebcnslanf der knrzlcbigenDeutschen und Lateinischen Münzconvcntion znr besten Auf-klärung über den eigentlichen Sinn eines Vertrags, durchden mehrere Nationen ihr Münzwescu zusammenketten, jain Eins verschmelzen? Das bedeutet so viel, daß sie ihrganzes Schicksal zusammenketten, ineinander verschmelzen!Denn so wie eine Nation in ihrem Schicksal getroffen wird,ist sie in ihrem Gcldkreislauf getroffen. Sprichwörtermannichfaltigen Ursprungs haben die letzte Entscheidung desKrieges, d. h. die letzte Entscheidung der Existenzfrage imKampf ums Staatsdascin in den Geldbeutel verlegt.' Nunist zwar aus jedem Blatt der Lehre vom Geld und Kapitalmit Recht Verwahrung eingelegt gegen die Verwechselungbeider als Begriffe, gegen die gemein-menschliche Auffassung,welche baares Geld uud Vermögen als gleichbedeutend nimmt.Allein das hindert nicht, daß die Kraft, über baares Geldzu verfügen, eins der untrüglichsten Ergebnisse des Vermögens-besitzcs ist, uud daß der Verfall des Vermögens sich am erstenan der Verlegenheit, dasselbe in baares Geld zn verwandeln,ankündigt. Aus der Stockung entspringt der Miscrcdit, ausdem Miscrcdit die Lähmung. In unsern hcutigcu Cultur -zuständcn sind Privatcrcdit und öffcntlichcr Credit so innigmiteinander verwachsen, daß jeder Schlag, der dem Staate