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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Natur dieses subtilen Wesens fortwahrend im Auge zu be-halten. Wer die Wichtigkeit der Form als des verbürgendenMaßstabes Übersicht, verfällt in den Irrthum derer, welcheBanknotenfrciheit und dergleichen die öffentliche Sicherheit gefährdende Experimente befürworten, im Verlaß darauf, daßdie Betheiligten mit eigenem Maßstabe prüfen köunen, ob dieinnere Kraft des Zahlnngsmittels der äußern Augabe ent-spreche. Wer umgekehrt auf die Erkennbarkeit des äußernMaßstabes einseitig den Werth legt, gleitet noch leichter vomWege ab, denn er übersieht, wie leicht in der Welt derbeweglichen Thatsachen unter dem Deckmantel einer festenäußern Form der innere Gehalt der Dinge sich verschiebt.Und gerade in diesen Fehler verfallen auch, wie vielfach zubeobachten, solche, welche mit exacten Wissenschaften undderen scharfen, unserm Gegenstände verwandten Begriffenumzugehen gewohnt sind. Ja diese ihre Gewohnheit geradetreibt sie auf den Abweg. Mehr als einmal ist von Mathe-matikern und Physikern scharfer Tadel darüber ausgesprochenworden, daß das Deutsche Reich nicht die Frankenrcchnuugangenommen habe. Sie meinen, nachdem das große Werkder Maß- und Gewichtseinignng mit seiner nicht hoch genugzu veranschlagenden civilisatorischen Bedeutung, nachdem dernicht minder segensreiche Wcltvcrband der Post und Tcle-graphic gerade auf Deutschlands eifriges Betreiben ins Werkgesetzt worden, sei es um so bedauerlicher, daß das deutscheMüuzsystcm auf diesem so wichtigen Gebiete die trennendeLosung gegeben habe. Was sie verleitet, diesen Saltomortalc,diesen halsbrcchenden Sprung vom Meter und Kilogrammzum Geldstück zu machen, das ist eben, daß sie vor allemMathematiker sind, d. h. Leute, die blos in den abgezogenen