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nehmen vermeinte. Auf demselben Wege, aus dem die Beun-ruhiguug heraufzog, findet sie ihre Beschwichtigung. Ein-blick gewinnen in das, was berechtigt und was unberechtigtist an dieser Beunruhigung, heißt zugleich Einblick gewinnenin das, was gut ist oder möglicherweise nicht gut sein könntean unserer Rcichs-Mnnzvcrfassung.
Der Schmerz verräth das Uebel. Naturforscher undPhilosophen mögcu darüber streiten, ob dieser Zusammen-hang etwas wie einen Plan oder eine Absicht der Erhal-tung verrathe; für den Betrachter des thatsächlichen Ver-laufs der Diuge genügt es, am Zusammenhange selbst fest-zuhalten. Ein Uebel, das sofort bei seinem ersten Heran-nahen sich durch ciucn Schmerz ankündigt, können wir insciueu Anfängen bekämpfen; die schleichende Krankheit, die,dem Patienten und seiner Umgebung kaum bemerkbar, nichteher zum Bewußtsein kommt, bis sie rettungslos den Orga-nismus ausgehöhlt hat, ist die verderblichste.
Je mehr die Münzvcrfassung eines Landes darauf ein-gerichtet ist, jede in der Geltung der Münze vorgehendeVeränderung zur Empfindung zu briugen, desto vollkommenerist diese Verfassung. Je mehr ein Geld ausarten kann,ohne daß der Volkskörper in Schmerzen darüber aufschreit,desto schlimmer steht es damit. Man sollte denken, das seieinfache Wahrheit, die jeder einigermaßen mit den Regelndes Lebens Vertraute stets vor Augen habe. Aber die Er-fahrung lehrt jeden Tag das Gegentheil. Noch lange nichthaben wir abgethan mit dem Pöbclwahnsinn, der die Bäckertodtschlägt, wenn sie bei seltenerem Korn das Brot theuererverkaufen. Solange unsere deutsche Müuzverfassung dnrchinnere Entartung einem stillen, unaufhaltsamen Ver-
Bambcrgcr, Reichsgolv. g