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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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Seite
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vorübergehender Natur aufgetreten sei. Und nicht sie alleinbewegten sich in den Schranken dieser gewohnheitsmäßigenDenkweise. Ihre Geschäftsfreunde jenseits der Grenzen kamenihnen auf halbem Wege entgegen. Das ist eben der Unter-schied zwischen blos empirischem Verfahren und methodischerErkenntniß, daß schlechtweg nach einigen feststehenden Symp-tomen hin und her curirt wird, ohne in die Besonderheitder Ursachen einzudringen. Hier galt es zu unterscheiden,, ob dem Fallen des deutschen GeldwcrtheS nur eine vorüber-gehende Strömung oder ciu innerer Rückgang zu Grundeliege. Die Bankiers des In- und Auslandes entschieden sichohne Besinnen fürs erste. So fühltcu sie sich auch veranlaßt,ans das Phänomen der Gegenwart eine Spcculatiou zugründen, welche das Phänomen der Zukunft rechtfertigensollte. Wäre ihre Voraussetzung richtig gewesen, so lageiner der Fälle vor, wo die Spcculation wohl angebrachtist und ebendeshalb ihren höhern Zweck erfüllt. Die Aus-führung bestand hier darin, daß sie Wechsel zogen, ohne daßForderungen dafür cxistirtcn. Wir wissen aus oben augc-stclltcu Beobachtungen, daß der eigentliche Wechsel nur- dasWerkzeug ist, um vorher begründete Forderungen einzuziehen.Eine solche Forderung im weiteren Sinne kann auch vor-handen sein, wenn der Zicher nicht Gläubiger ist, sondernim Gegentheil die Wcchsclopcration macht, um eine Schuldzu coutrahircu. Durch den Coutract der Crcditgcwährungwird er für den Bezug des Darlehens im ersten Augenblickdes Rechtsgeschäfts zum Ziehen auf den Darleiher berechtigt.An Stelle der Waare wird hier das Versprechen der Rück-zahlung geliefert, gcgcu welches momentan eine Forderungdes künftigen Schuldners au den künftigen Gläubiger cutstcht.