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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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sein lassen, ob der Curs mehr oder weniger über das Aeaui-valent der Verscndnngskostcn von Metall hinausging,d. h. wir sehen für den Augenblick von der Frage ab, obMaterial in Deutschland zu solcher Ausfuhr vorhanden waroder nicht, ob die Möglichkeit der Deviation vom Nuhcpunktder Parität in bestimmte Grenzen eingeschränkt war odernicht. Das hohe Gebot hatte den Bankier zur Spcculationauf den Umschlag ins Gegentheil gelockt, und nun gab erdem Wcinkänfcr einen Wechsel in der Hoffnung, später, zu-nächst vor Ablauf der üblichen Frist von drei Monaten, um-gekehrt einen Gctreidcvcrkäufer zu fiudcn, der keinen Wcin-känfcr mehr anfzutrciben im Stande wäre, und der dannseine Forderung cbcnso weit unter dem Paricnrse abtretenmüßte, wie die fictive über demselben abgetreten worden war.Wir können uns die Operation selbst beliebig von deutschemoder französischem Boden ansetzend, für deutsche, französischeoder gemciusame Rechnung gemacht denken.

Es fügte sich hierbei, daß der SpcculatiouStrieb zu-sammentraf mit einer andern Richtung des deutschen Geld-geschäftes, nnd beide sich wechselseitig begünstigten. Es warvor einem Jahrzehnt noch mehr Sitte in Deutschland , mitsictiven Kapitalien Unternehmungen zu betreiben, als diesheute der Fall ist, vor zwanzig Jahren war es noch mehrder Fall als vor zehn. Tausende von Kaufleuten uud Indu-striellen arbeiteten mit einem nicht znr Hälfte oder znm Viertelwirklichen Betriebskapital. Der Rest wurde ergänzt durchCrcditbcnutzung in Gestalt von Wcchsclzichuugcu auf credit-gcwährcnde Bankiers Reitwechsel, d. h. solche, welchenicht bestimmt waren, bei Verfall ausgeglichen, sondern durchErneuerung ins Unendliche fortgesetzt zu werden. Sie bildeten