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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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leiten des mindcrwerthigcn Geldes zu bedienen. Man läßtihm eben gar keine Wahl mehr.

Verhielten sich die Dinge schon so in den Zeiten, davon einem Weltverkehre kaum die Rede sein konnte, wie erstjetzt! Gerade die Gleichartigkeit und freie Beweglichkeit dermetallischen Substanzen, welche mit Recht als die Grund-bedingung des Geldes verlangt wird, ist untreuubar vonseiner Nachgiebigkeit gegen jede Veränderung, die es nachaußen lockt. Eben die mit dem allgemein gültigsten Werthelogisch untrennbar verbundene Wechselwirkung bewirkt, daß derGegenstand immer dahin gezogen wird, wo er den höchstenPreis erzielt, sich von da entfernt, wo er von diesem etwaseinbüßt. Letzteres aber ist unvermeidlich der Fall da, wozufolge gesetzlicher Borschrift ein minderwerthiges Object alsgleichberechtigt auftritt. Das thatsächlich höher berechtigteentfernt sich schmollend, um dem niedrigern Platz zu machen,- das ein widernatürliches Gesetz ihm als gleichberechtigt zurSeite stellt.

Seitdem die französische Gesetzgebung des Jahres XIder Republik nnd die ihr nachgebildeten Münzverfassungcu unternommen haben, daö gegenseitige Wcrthvcrhältnißvon Silber zu Gold auf die Zahl^/s ZU 1 festzunageln,hat das Kommen und Gehen niemals aufgehört. DieSchwankungcn/wclche das gesetzlich festgestellte Normalver-hältniß zwischen beiden Metallen alterirtcn, waren bald ge-ringer, bald stärker, bald nach lange anhaltenden Richtungenfortströmcnd, bald in kürzern Zwischenrämnen wechselnd,aber Stillstand war niemals vorhanden. Eins der großenArgnmcute, auf welches die Vertheidiger der Doppelwährungsich berufen, geht dahin, daß nach mehr als 60 Jahren das