Druckschrift 
Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

149

wir uns mit ihnen auf diesen ihren Standpunkt begeben,finden wir ihren Verdruß gerade so begreiflich wie denunseligen. Wenn bei uns der Curs auf Holland steigt, sodenken wir zunächst daran, daß wir Käufer in Holland sindund daß wir jede Anweisung von 100 Gulden holländischerWährung, die wir vor Jahresfrist noch mit 99 Gulden rheinischbezahlt hatten, jetzt mit 101 Gulden zu bezahlen haben. Alsowird uns der Kaffee theuerer, und da wir von der Gesammt-heit der Länder einen Ucberschnß von Waaren beziehen, sohaben wir für unsern Verbrauch mehr Geld auszugeben.Hören wir nnn aber einmal die holländischen Kaufleute!Wenn der Wechsel auf Holland bei uns steigt, so entsprichtdem selbstredend, daß der Wechsel auf Deutschland bei ihnenfällt. Wenn wir, um eine Anweisung auf Holland zu kaufen,101 Gulden rheinischzahlen müssen, so erhielt ein hollän-discher Kaufmann für eine Forderung auf Deutschland imBetrage von 100 Gulden kürzlich nur 99 Gulden holländisch,während er noch vor Jahresfrist 101 Gulden seiner Währungdafür erhielt. Dieweil wir also zu Hause klagen, daß das Geldfür unsere Einkäufe uuS theuer zu stehen kommt, klagen jene,daß der Erlös für ihre Verkäufe ihnen wenig einbringt.Und im Schosc derselben Nation muß die Auffassung wech-seln, je nach dem Berufe nnd der Lebensstellung einesJeglichen. Wer Zucker, Kaffee, Zimmt, Butter oder Käsebei uns aus Hollaud bezicht, wird klagen, daß ihm derPreis vcrthcuert ist durch die Preiserhöhung des hollän-dischen Gnldcns. Wer aber baumwollene Gewebe, Tuch,

Wir nehmen den rheinischen Gulden znm Maßstabe, weil erdie leichteste Rechnungseinhcit zum Vergleiche liefert.