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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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'wie wir dies in den letzten Zeiten erlebt haben! Wäre dasdeutsche Angebot nicht mit der innern Tendenz der Waarezusammengetroffen, so wäre beinahe spurlos an ihremWerth und Preis vorübergegangen. Auch die moralischeWirkung unserer neuen Müuzpolitik ist au der Stärke desUmschlags viel weniger bcthciligt, als man gemeinhin be-hauptet. Denn in der Zeit, da unser Ucbcrgaug zur Gold-währung thatsächlich zum Beschluß erhoben wurde, ließ sich derMarkt wenig davon beeinflussen; das Zeugniß der Marktpreiseist ein unwiderlcgliches. Der londoner Silberprcis hielt sichdas Jahr 1872 hindurch bis Ende November noch in derSchwebe zwischen 60 und 61, ganz wie vor unserer Reform.Und alles, waö seitdem bei uns geschah, war vielmehr ge-eignet, die Furcht vor unserer Einwirkung auf den Marktwieder zu zerstreue». Nicht blos erschienen wir mit homöo-pathischen Portionen in London oder in Shanghai , sondernin unsern parlamentarischen Verhandlungen ward anch vonmaßgebender Stelle mit möglichstem Nachdruck verküudet,baß wir überhaupt nicht gemeint seien, viel Silber nachaußen abzugeben; daß wir einerseits gar nicht so viel besäßen,als man gewöhnlich voraussetze, daß wir andererseits sehrviel Bedarf an Thcilungsmünzen hätten; und diese Aeuße-rungen waren nicht etwa nur in der Absicht hingeworfen,den Silbcrmarkt bei guter Laune zu erhalten, sondern sieenthielten, wie man sich aus unserm ganzen Verfahren über-zeuge» konnte, deu leitenden Gedanken unserer ausführendenMünzpolitik. So hatten wir also weder durch wirklichesAngebot, noch durch unsere Tendenz etwas Namhaftes dazngethan, die Wendung herbeizuführen, welche im Verhältnißdes Silbers zum Golde eingetreten ist. ,