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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Arthur Lees Kriegsdrohung

werden wird, erreichten ihren Höhepunkt mit der Hal-daneschen Mission im Jahre 1912.

Die Flottenfrage ist nur der eine Teil des allgemeinenRüstungsproblems. Ebenso wie der Ausbau der deutschenFlotte in England als Zeichen deutscher kriegerischerAbsichten ausgegeben wurde, ebenso hat man in der Stärkeund in den periodischen Verstärkungen unseres Land-heeres den Ausdruck deutschen Kriegs- und Herrscher-willens sehen wollen. Sir Edward Grey hat am 22. März1915 im Unterhaus diesen Gedanken in die Worte gekleidet:Wir wissen jetzt, daß die deutsche Regierung für denKrieg Vorbereitungen getroffen hat, wie sie nur ein Volk,das den Krieg beabsichtigt, treffen kann."

Daß Deutschlands Lage in der Mitte Europas, daß seinegeschichtlichen Erfahrungen und daß schließlich die Ge-staltung der Mächtegruppierung in den letzten Jahrzehntenein starkes Heer als Verteidigungsinstrument und Frie-densschutz notwendig machten, daß mithin die Schaffungund der Ausbau eines starken deutschen Heeres an sichnoch kein Beweis kriegerischer Absichten Deutschlandssein kann, ist vor dem Kriege auch von Staatsmännernanerkannt worden, die späterhin kaum genug anklagendeWorte gegen den friedenstörenden deutschen Militarismusfinden konnten. Lloyd George hat in einer Rede in derQueens Hall am 28. Juli 1908 ausgeführt:

Betrachten Sie Deutschlands Lage! Für Deutschlandist sein Heer, was für uns die Flotte ist: seine einzige

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