Abkommen mit Rußland über Nordpersien und die Bagdadbahn
Ergebnis der Verhandlungen zwischen den beiderseitigenStaatsmännern war einmal ein solches allgemein-politischerNatur, dann ein Sonderabkommen, das sich auf Persienund die Bagdadbahn bezog.
Uber das allgemeine politische Ergebnis teilte Herrvon Bethmann Hollweg am 10. Dezember 1910 im Reichs-tag mit:
„Als Resultat der letzten Entrevue möchte ich bezeich-nen, daß von neuem festgestellt wurde, daß sich beideRegierungen in keinerlei Kombination einlassen, die eineaggressive Spitze gegen den andern Teil haben könnte.In diesem Sinne haben wir insbesondere Gelegenheit ge-habt zu konstatieren, daß Deutschland und Rußland eingleichmäßiges Interesse an der Aufrechterhaltung desstatus quo am Balkan und überhaupt im nahen Orienthaben und daher keinerlei Politik unterstützen werden —von welcher Seite sie auch kommen könnte —, welche aufStörung jenes status quo gerichtet wäre."
Das in Potsdam vereinbarte Sonderabkommen enthieltvon deutscher Seite die Anerkennung der politischen Son-derstellung Rußlands in Nordpersien unter Vorbehalt derGleichberechtigung des Handels aller Nationen. WährendDeutschland sich am Bau von Eisenbahnen und sonstigenVerkehrsanlagen in Persien nördlich einer gewissen Liniedesinteressierte, übernahm es Rußland, das persische Eisen-bahnnetz auszubauen. Rußland sagte ferner zu, dem Aus-bau der Bagdadbahn, den es bisher nach Kräften zu
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