Die Haltung Englands und Frankreichs
Nachdem im Jahre 1888 eine unter Führung der Deut-schen Bank stehende deutsche Finanzgruppe die Kon-zession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahn vonHaidar-Pascha (Vorstadt von Konstantinopel auf demasiatischen Ufer) nach Angora erhalten hatte, beteiligtesich an der zur Durchführung der Konzession errichtetenGesellschaft, der Anatolischen Eisenbahngesellschaft, nebendeutschem, österreichischem und italienischem Kapitalauch englisches Kapital, allerdings nur mit einer beschei-denen Quote, die auch bald wieder abgestoßen wurde.
Die Bahn nach Angora wurde in wenigen Jahren voll-endet und alsbald durch eine Linie von Eskischehir nachKonia ergänzt. Im Jahre 1896 wurde auch diese Linie inBetrieb genommen. Das neue Eisenbahnnetz, eine Strecken-länge von mehr als 1000 km umfassend, erschloß, imGegensatz zu den unter französischer und englischer Füh-rung bisher erbauten kurzen Stichbahnen im westlichenKleinasien und in Syrien, das Innere des anatolischenHochlandes, das im Altertum durch seine Fruchtbarkeitund seinen Erzreich tum berühmt war und jetzt seiner Er-weckung aus vielhundertjährigem tiefem Verfall wartete.
Als Frankreich sah, daß Deutschland sich in der Ver-folgung des neugesteckten Zieles nicht irremachen ließund daß Deutschland, das immer noch als armes Land galt,auch die für die Durchführung seiner Pläne erforderlichenMittel aufzubringen in der Lage war, fand es sich mit denvollendeten Tatsachen ab. Es bildete sich zwischen den
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