Türkisch-englische Verhandlungen
Marschall und Sir Edward Grey nur zu einleitenden Unter-haltungen gekommen; denn wenige Monate nach seinerErnennung erlag Marschall einer schweren Krankheit.Sein Nachfolger wurde der Fürst Lichnowsky, dem die tür-kischen Angelegenheiten fernlagen und der ihre Bearbei-tung im wesentlichen seinem Botschaftsrat, Herrn vonKühlmann, dem späteren Staatssekretär des AuswärtigenAmtes, überließ.
Die Verhandlungen über den Präliminarfrieden, der demersten Balkankrieg ein Ziel setzte, führten den früherenGroßwesir Hakki Pascha als Bevollmächtigten der Türkeinach London. Hakki Pascha, einer der intelligentestenund jedenfalls der kenntnisreichsten der türkischen Staats-männer, war bestrebt, seinen Londoner Aufenthalt zu einervölligen Bereinigung der zwischen der Türkei und Englandschwebenden Fragen zu benutzen, und er war entschlossen,für eine Klärung des türkisch-britischen Verhältnissesnötigenfalls auch Opfer zu bringen. Insbesondere in derBagdadfrage hatte Hakki Pascha von langer Hand einesolche Politik vorbereitet. Er war es, der als Großwesirgelegentlich des Abschlusses der Verträge vom März 1911sich von uns die Erklärung der Bereitwilligkeit zur Uber-tragung der Konzessionsrechte an der Südstrecke derBagdadbahn an eine neu zu errichtende Gesellschaft hatteausstellen lassen.
Aus den Besprechungen zwischen Sir Edward Grey undHakki Pascha, über deren Verlauf die deutsche Botschaft
143
/