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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Die letzten Verständigongsversuche

die vor kurzem von der russischen Regierung veröffent-lichten Berichte des russischen Botschafters in London,Grafen Benckendorff. Dieser war während des Besuchsdes Königs Georg gleichfalls in Paris anwesend und be-richtete von dort am 21. April 1914 an Herrn Ssasonoffnach Petersburg, er hoffe,die Hauptsache erreicht zuhaben, nämlich die bisher allzu theoretischen undfriedlichen Grundgedanken der Entente durchetwas Greifbares zu ersetzen". Er sei sich zweifel-haft, ,,ob sich eine stärkere Garantie für eine gemeinsamemilitärische Operation im Kriegsfalle finden ließe, als derGeist dieser Entente, wie er sich offenbart hat, verstärktdurch die bestehenden militärischen Vorkehrungen". Vondem von Sir Edward Grey abgelehnten förmlichen undöffentlichen Bündnis riet auch Graf Benckendorff ab, daein solchesein sehr viel günstigeres Feld für eine Agi-tation zugunsten Deutschlands bieten würde".Agitation zugunsten Deutschlands" das war das Be-streben der englischen Friedensfreunde, zu einem besseren,die Gefahr eines bewaffneten Konfliktes ausschließendenVerhältnis zu Deutschland zu kommen!

Die Tatsache, daß gerade in der Zeit, als die deutsch-englische Verständigung über die kolonialen und vorder-asiatischen Fragen sich dem Abschluß näherten, die bri-tische Regierung es für angezeigt hielt, das System derEntente "durch militärische Abmachungen mit Rußland,die sich ganz unzweideutig gegen Deutschland richteten,

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