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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Englands unehrliche Politik

zu verstärken, zeigt zum mindesten, daß die britischePolitik nicht gewillt war, sich durch eine Verständigungmit Deutschland über noch so wichtige Einzelfragen davonabhalten zu lassen, in ihren seit einem Jahrzehnt betrie-benen politischen und militärischen Vorbereitungen fürden Krieg mit Deutschland in verstärktem Maße fortzu-fahren. Der Geist, der in den von Lord Haidane Anfang1912 eingeleiteten Besprechungen zum Ausdruck gekommenwar, beherrschte nach wie vor die britische Politik: Eng-land wollte die Kampfstellung gegenüber Deutschland nichtaufgeben. Die Verständigung in Einzelfragen, mochtensie für sich noch so bedeutungsvoll sein, mußte unter diesenUmständen ihren eigentlichen Zweck die Schaffungeiner Atmosphäre des Vertrauens zwischen den beidengroßen Ländern und damit die Schaffung der wichtigstenVoraussetzung für die Entspannung der internationalenLage von vornherein verfehlen. Die Verhandlungenüber die britisch-russische Marinekonvention, die natür-lich der deutschen Regierung und der Öffentlichkeit trotzaller Ableugnungs- und Beschwichtigungsversuche be-kanntgeworden waren, hatten vielmehr das Gegenteil derWirkung, die man mit der Verständigung über die kolo-nialen und vorderasiatischen Fragen erreichen wollte.Warnend hoben die offiziösen deutschen Zeitungen hervor,daß durch die britisch-russische Marinekonvention allebisher erzielten Fortschritte in der deutsch-englischen An-näherung in Frage gestellt und eine Verschärfung des

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