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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
161
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Die Triple-Entente gegen Deutschland

führte kein Nachlassen in den Treibereien gegen Deutsch-land herbei. Die Sprache der russischen und französischenPresse gegen Deutschland wurde immer maßloser. Aufrussischer Seite wurde das Anrecht Rußlands auf dieasiatische Türkei und das Anrecht des Slawentums auf dievon Slawen bevölkerten Teile der vor dem Zusammenbruchstehenden österreichisch-ungarischen Monarchie, auf fran-zösischer Seite Frankreichs unverjährbarer Anspruch aufElsaß-Lothringen mit erneutem Nachdruck proklamiert.Ganz offen besprach die Presse beider Länder die infolgeder ihrer Vollendung zugehenden russischen Rüstungenimmer besser werdenden Aussichten eines Krieges gegendie Mittelmächte. Blätter, deren enge Beziehungen zu denoffiziellen Kreisen in Petersburg und Paris weltkundigwaren, beteiligten sich an diesem Feldzug. Der russischeKriegsminister, Herr Ssuchomlinoff, äußerte sich in demihm nahestehenden Blatte wiederholt in kaum mehr ver-hüllten Kriegsdrohungen:Frankreich und Rußland wollenden Krieg nicht, aber Rußland ist bereit und erwartet,daß Frankreich es gleichfalls sein wird." Und am 24. April1914, also unmittelbar nach dem Besuch des Königs Georgin Paris, berichtete der belgische Gesandte in Berlin, BaronBeyens, an seine Regierung:Herr Cambon (der franzö-sische Botschafter in Berlin) sieht wieder die Hand desHerrn Iswolski in dieser zwecklosen Kampagne der russi-schen und französischen Zeitungen." Ich fand, als ich imMai 1914 zum letztenmal zu geschäftlichen Besprechungen

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