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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der englisch-deutsche Gegensatz

so kann man aus all dem nur den Schluß ziehen, daß diebritischen Staatsmänner die diplomatische und militärischeVorbereitung einer kriegerischen Auseinandersetzung mitDeutschland unter allen Umständen und ganz unab-hängig von der Bereinigung noch so wichtiger Einzelfragenals oberstes Ziel ihrer Politik festzuhalten entschlossenwaren.

Die Erklärung liegt wohl weniger in dem Willen derbritischen Staatsmänner, die zufällig in jener entscheiden-den Epoche der Weltgeschichte die Geschäfte Englandsleiteten, als vielmehr in den alten Traditionen der bri-tischen Politik, durch die England groß geworden war unddurch die es seine Größe zu erhalten suchte. EnglandsPolitik war stets gegen die politisch und wirtschaftlichstärkste Kontinentalmacht gerichtet; seitdem Deutschlanddie politisch und wirtschaftlich stärkste Kontinental-macht geworden war, seitdem England durch Deutschlandmehr als durch ein anderes Land sich in seiner weltwirt-schaftlichen Stellung und in seiner Seegeltung bedrohtfühlte, war der englisch-deutsche Gegensatz unüber-brückbar und durch keine Verständigung über irgend-welche Einzelfragen aus der Welt zu schaffen; es sei denn,daß England mit allen seinen Uberlieferungen gebrochenund ehrlich darauf verzichtet hätte, von seinen Macht-mitteln zur Erhaltung seiner wirtschaftlichen VorherrschaftGebrauch zu machen. Zu einem solchen Bruch mit dertreibenden Kraft seiner Geschichte war England nicht

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