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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Deutschland glaubt an Erhaltung des Friedens

Verproviantierungsfristen der elsässischen Festungen, vor-läufig und auf Widerruf um eine Woche verlängert! Einstärkerer Beweis dafür ist kaum möglich, daß unsernleitenden Kreisen der Gedanke, einen Krieg heraufzube-schwören, gänzlich fernlag, ja daß sie im Vertrauen auf dieErhaltung des Friedens Maßnahmen guthießen, diedas Gegenteil der an sich durch die Lage gebotenen Vor-bereitungen für die Möglichkeit des Krieges waren.

Auf diplomatischem Gebiet muß es jedem tiefer in dieDinge eintretenden Beobachter auffallen, daß bei unsermitalienischen Verbündeten vor der Überreichung des Ulti-matums in Belgrad offenbar keinerlei Versuche gemachtworden sind, ihn auf eine Mitwirkung oder wenigstens einewohlwollende Neutralität durch bindende Abmachungenfestzulegen. Wenigstens ergibt sich aus den italienischenVeröffentlichungen zur Vorgeschichte des Kriegs dafürnicht nur kein positiver Anhalt; vielmehr läßt sich ausder Beschwerde darüber, daß Italien von den österreichisch-ungarischen Absichten entgegen früheren Zusagen nichtrechtzeitig unterrichtet worden sei, nur der Schluß ziehen,daß die beiden Mittelmächte in der Tat an Italien nichtherangetreten sind. Bei den bekannten Empfindlichkeitenund Aspirationen Italiens wäre, falls die Mittelmächte einenKrieg hätten heraufbeschwören wollen oder falls sie auchnur ernstlich die Möglichkeit des Krieges aus der serbischenVeranlassung heraus ins Auge gefaßt hätten, der Versuchder grundsätzlichen Verständigung mit Italien über das

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