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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Ausbruch des Weltkrieges

ein Auskunftsmittel zu suchen, das es Rußland möglichmache, ohne Krieg das Gesicht zu wahren.

Ich versprach, mein Bestes zu tun, und behielt mir vor,am nächsten Morgen auf diese Anregung zurückzukommenund vielleicht einen Vorschlag zu machen.

Es war inzwischen fast halb zwei Uhr geworden. ImBegriff, mich zu verabschieden, fragte ich Davydoff nachseinen weiteren Dispositionen. Davydoff antwortete, erwolle Dienstag abend abreisen, also Donnerstag in Peters-burg zurück sein. Auf meine Bemerkung:Und Sie glau-ben, daß bis dahin nichts Entscheidendes und Unwider-rufliches passiert?" antwortete er:Ich glaube, es wirdnichts Entscheidendes geschehen; wir werden wohl einenTeil unserer Armee mobil machen, aber"

Ich fiel ihm ins Wort:Sie meinen also, eine russischeMobilmachung sei nichts Entscheidendes? Da bin ichallerdings anderer Ansicht. Ich bin auf das bestimmtesteüberzeugt, daß eine russische Mobilmachung die deutscheMobilmachung zur sofortigen Folge hat."

Davydoff:Nun und ? Dann demobilisiert man wieder!Das kostet zwar Geld, braucht aber doch noch kein Blutzu kosten."

Mir war bekannt, daß unsere Regierung aus zwingendenmilitärischen Gründen die russische Mobilmachung alsgleichbedeutend mit dem Kriegsfall ansah. An demselben26. Juli, an dessen Abend ich diese Unterredung mit HerrnDavydoff hatte, war unser Botschafter in Petersburg

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