Rußland sucht einen Ausweg
abgegebenen Erklärungen, die Davydoff noch nicht kannte,hinweisen. Davydoff erwartete eine gute Wirkung davon,wenn er die offiziellen Erklärungen durch Berufung aufMitteilungen von seiner Regierung bekannten Privatper-sonen bekräftigen könne. Ich erklärte mich gern damiteinverstanden, daß er meine Äußerung in diesem Sinneverwerte. Ich bat ihn jedoch, zur Vermeidung einer jedenZweideutigkeit hinzuzufügen, daß man in Deutschland, wennunsre Regierung auch an dem österreichisch-ungarischenUltimatum nicht mitgewirkt habe, unverrückbar auf demStandpunkt stehe, daß Österreich-Ungarn in seinem Rechtesei und daß niemand Österreich-Ungarn hindern dürfe,sein Verhältnis zu Serbien nach seinen Lebensinteressenzu ordnen.
Im weiteren Verlauf der Unterhaltung suchte Davydoffmeine Ansicht darüber zu erfahren, ob Österreich-Ungarndurch Deutschland nicht zu einer Milderung seiner Noteveranlaßt werden könnte. Als ich dies nach dem Standder Dinge als unwahrscheinlich bezeichnete, ließ er durch-blicken, es komme in dieser Sache weniger darauf an, denSerben entgegenzukommen, als darauf, Rußland einenAusweg aus der furchtbaren Situation zu zeigen, die sonstunvermeidlich zum Weltkrieg führen müsse. Es gebe, wiemir bekannt sei, in Rußland eine sehr starke und einfluß-reiche Kriegspartei; wir Deutschen hätten das Interesse,der Friedenspartei und allen denjenigen, die ein dauerndgutes Verhältnis zu Deutschland wünschen, zu helfen und
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