Russische Generalmobilmachung
Augenblick in Rußland entscheidenden Persönlichkeitenwollten angesichts der auf deutsches Betreiben zutage-tretenden Nachgiebigkeit der österreichisch-ungarischenRegierung alle Brücken zum Frieden abbrechen und denKrieg unvermeidlich machen."*
Die Aussagen im Ssuchomlinow-Prozeß haben diese Er-klärung bestätigt.
Wir wissen heute, daß der Zar am 30. Juli den Mobil-machungsbefehl bereits unterzeichnet hatte und daß amNachmittag des 30. Juli die Generalmobilmachung in vollenGang gesetzt wurde; daß am Abend des 30. Juli der Zar,stark beeindruckt durch die inzwischen eingegangenenNachrichten, insbesondere das Telegramm des DeutschenKaisers von 1 Uhr nachmittags, in dem dieser den Zarennochmals eindringlich auf „die Gefahren und schwerenKonsequenzen einer Mobilisation" hinwies, seinemGeneralstabschef Januschkewitsch und seinem Kriegs-minister Ssuchomlinow telephonisch den Befehl zurEinstellung der Mobilisation gab; daß Ssuchomlinowdem General Januschkewitsch auf dessen Frage, waser auf diesen Befehl des Zaren veranlassen solle, dieklassische Antwort gab: „Tun Sie nichts!"; daß derMobilmachungsbefehl noch in der Nacht amtlich veröffent-licht wurde, und daß dem Zaren am nächsten Tag, wieSsuchomlinow sagte, „eine andere Überzeugung beige-bracht wurde".
• Siehe meine „Entstehung des Weltkriegs", S. 25.14 Helfferich, Vorgeschichte
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