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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Die Frage der Vorherrschaft in Europa

Politik fern, sondern mit der Begründung:die direktenbritischen Interessen in Serbien seien gleich Null und einKrieg wegen dieses Landes werde niemals durch die eng-lische öffentliche Meinung gebilligt werden."

Noch in jener verhängnisvollen Unterhaltung, die SirEdward Grey am Vormittag des 29. Juli mit Paul Cambonhatte, wies der britische Staatsmann, so sehr er die britischeBereitschaft zur Waffenhilfe durchblicken ließ, darauf hin,

daß die serbisch-österreichischeFrage und selbst ein russisch-

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deutscher Konflikt für England kein geeigneter Aus-gangspunkt zum Eintreten in den Krieg sei. Herr Cambon ,antwortete auf diese Bemerkung nach Sir Edwards eigenerMitteilung an den großbritannischen Botschafter in Paris:Er verstehe, daß England keinen Beruf fühle, in einenBalkanstreit oder auch in einen Kampf um die Vorherr-schaft zwischen Deutschen und Slawen einzugreifen; wennaber andere Ausgangspunkte entstehen und Deutschlandund Frankreich hineinverwickelt werden sollten, so daßder Fall zur Frage der Hegemonie über Europa werde, sowerde England zu entscheiden haben, was es zu tun habe." Mit andern Worten, Herr Cambon verstand, und SirEdward widersprach nicht nur nicht, sondern gab selbstdas Stichwort an seinen Pariser Botschafter weiter: dieserbisch-österreichische und auch eine deutsch-russischeFrage genügen für uns nicht, um England in den Krieg zuführen; wenn ihr aber aus der serbisch-österreichischenoder deutsch-russischen Frage etwa eine deutsch-franzö-

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