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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der Ausbruch des Weltkrieges

Letzteres ergibt sich aus der ganzen langen Vorgeschichtedes Krieges, in der England die treibende Kraft war; ausden Besprechungen zwischen dem Foreign Office und HerrnCambon, die sich schließlich nur noch um die Frage desAusgangspunktes für das britische Eingreifen drehten;und schließlich aus folgendem wichtigen Umstand:

Am 2. August, ehe ein deutscher Soldat auf belgischemBoden stand und ehe die erst am Abend dieses Tages inBrüssel gestellte deutsche Anfrage wegen des Durchmarschesvorlag, bestätigte Sir Edward Grey auf Grund eines Kabi-nettsbeschlusses dem französischen Botschafter eine Er-öffnung, die er ihm tags zuvor schon auf eigne Verant-wortung gemacht hatte. Nach dem von Herrn Cambonnach Paris erstatteten Bericht lautete diese Eröffnung:

Falls das deutsche Geschwader in den Kanal einfahrenoder die Nordsee passieren sollte, um die britischen Inselnzu umschiffen, in der Absicht, die französischen Küstenoder die französische Kriegsflotte anzugreifen und diefranzösische Handelsflotte zu beunruhigen (!), würde diebritische Flotte eingreifen, um der französischen Marineihren Schutz zu gewähren, in der Art, daß von diesem

Bourbonen und Napoleons zu verteidigen . . . Wir spielen nicht den internationalen DonQuichotte, der zu jeder Zeit jedes Unrecht bekämpft, auch wenn es ihm keinen Schadenzufügt. Herr von Bethmann hat ganz recht, selbst wenn Deutschland nicht in Belgieneingefallen wäre, hätten Ehre und Interesse uns an Frankreich gebunden . . . Wir kehrtenzu unserer traditionellen Politik des Gleichgewichts zurück, aus demselben Grund, aus demunsere Ahnen sie angenommen hatten. Gefühlsgründe gab es weder für unsere Väter, nochgibt es sie für uns. Es handelt sich um in sich selbst begründete, um selbstische Gründe . . .für England und seinen Herrschaftskreis kämpfen und bluten seine Söhne."

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