Gespräch mit Kaiser Wilhelm
zu führen. Er erinnerte an sein letztes Zusammenseinmit seinen Vettern, dem Zaren und dem König von England,im Schlosse von Berlin bei Gelegenheit der Hochzeit seinerTochter mit dem Herzog von Braunschweig im Jahre 1913,an die Beruhigung, die er damals über die friedlichen Ab-sichten Rußlands undEnglands gewonnen zu haben glaubte.Er habe sich gar nicht an den Gedanken gewöhnen können,daß alle die Freundschafts- und Friedensversicherungennur Lug und Trug gewesen seien; und doch habe er sichaus dem Gang der Dinge überzeugen müssen, daß damalsunter seinem eignen Dach seine Gäste die Verschwörunggegen Deutschland bereits im Herzen trugen. Er habe vondem Augenblick an, in dem ihm der Ernst der Lage zumBewußtsein gekommen sei, den König von England undden Zaren beschworen und gebeten, ihm zu helfen, dasUnheil des Krieges von der Welt abzuwenden, er habeseinerseits bis zur Grenze des Möglichen auf den KaiserFranz Joseph gedrückt, so schwer es ihm geworden sei,dem Verbündeten beim Durchfechten seiner gerechtenSache in den Weg zu treten; aber er habe vom König Georgund dem Zaren nur kaltes Achselzucken und leere Aus-flüchte zur Antwort bekommen. Er habe den Zaren nochin der letzten Stunde geradezu angefleht, die Mobilmachungzu unterlassen, die uns in unsrer geographischen und poli-tischen Lage zum sofortigen Losschlagen zwingen müsse.Er habe nach der russischen Mobilmachung gegen alleBeschwörungen seiner eignen Militärs noch einmal den
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