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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
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Journalist und Volksredner.

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geschäft antrat, war er nach einigen Monaten schon im stände,sich seine eigene Metaphysik des Wechselkurses in herzstärkenderWeise zurecht zu legen. In ähnlicher Weise arbeitete er fürseinen nie ganz von den Nachwehen der Krankheit frei gewordenenMagen eine diätetische Logik aus, nach der er pedantisch lebte.

Wie verschieden entwickeln sich dieselben Anlagen.

Auch Fröbel, wie ich oben ihn schilderte, war ein wesentlichkonstruierender Verstand. Aber er verzehrte ungezähltes Materialaus allen Regionen des Wissens und Schanens, nnd seine Kon-struktionen waren daher immer iu wechselnder fruchtbarer Be-wegung, die sich dem Gang der Ereignisse assimilierte.

Bei Simon blieb der eigene Apparat die Hauptsache, der sichmit gauz wenigem als Nahrung begnügte, und daher immersich um sich selber drehte, ohne von der Stelle zu kommen.

Beide glänzende Koryphäen des kurzen Freiheitslenzes, engverbrüdert. Dann treibt es den einen, nachdem ihm durch seinewunderbare Gewandtheit dem Standgericht des grimmen Windischgrätzseinen Kopf abzudisputieren gelungen, durch Nord- und Mittelamerikaauf die abenteuerlichsten Wege, wo er mitten unter dem buntestenWechsel der Beschäftigung weltverbindende Pläne entwirft, so mitprophetischem Blick mir von Honduras aus in seinen Briefenvoraussagt, hier eher als in Panama sei der Weg der Zukunftvom Atlantischen Ozean ins Stille Meer. Hierauf kehrte er nachEnropa zurück, wird da Emissär des ultramontanen großdeutschenÖsterreich , steuert von diesem Ufer wieder an das Bismarckisch-Prenßische hinüber, um schließlich in Asien uud Afrika als Konsuldes nenen Deutschen Reichs seine Lansbahn abzuschließen.

Während derselben Zeit arbeitet sich der andere ehemalige Ge-fährte langsam in die Handgriffe eines kleinen Bankgeschäftes ein, undgründet danach noch ein viel kleineres für eigene Rechnung; zieht sichschließlich mit einem sehr bescheidenen Vermögen ins Privatlebenzurück und heiratet eine hübsche Wirtstochter (der andere holtsich in zweiter Ehe in Zentralamerika eine bayerische Gräfin ausgroßem Hause), mit der er bis an sein vorzeitiges Ende, Anfangder siebziger Jahre, ein stilles Hänschen am Genfer See bewohnt.

In seinem politischen Verhalten ist er dem Programm von