Druckschrift 
Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Paris .

407

stellung gewandt, um eine größere Beteiligung am Gewinn desHauses zu beanspruchen, nachdem die bisherigen Ergebnisse mirein nur geradezu klägliches Quantum eingetragen hatten. Seitacht Jahren war ich mit an der Spitze der Pariser Firma, seitdrei Jahren war ich beinah ganz allein auf dem Posten. Aberalles, was ich bis dahin erspart hatte, belies sich nach einer ziffer-mäßigen Aufstellung auf nicht mehr als höchstens 77 L>00 Franken.Und demgegenüber kam der Nachweis, daß ich iu derselben Zeitmeine Ausgaben Jahr aus Jahr ein auf den außerordentlich ge-ringen Fnß von 12 000 Fr. gehalten hatte, unglaublich wenig,wenn ich bedenke, daß ich dabei schon zahlreiche gesellige Be-ziehungen in anständiger Weise unterhielt, in gewisser Art schonein Haus ausmachte, 1858 uud 1359 schon für den Sommer einkleines Landhaus bei Paris gemietet hatte ein Beweis einer-seits, wie relativ wohlfeil damals noch das Leben war, andrer-seits, wie man mit Gefchicklichkeit auskam. Denn meine Frauverstand es ausgezeichnet, bei einem so kleinen Budget einen an-genehmen Hausstand und eine elegante Toilette zu bestreikn, unddas, obwohl sie nach ihrem Bildungsgrad nnd ihren intellektuellenInteressen es mit jedem gelehrten Blaustrumpf hätte aufnehmenkönnen. Dabei war sie aber wieder so praktisch, daß ich eigentlichnur auf ihren Antrieb mich zum Querulieren entschloß, und dochhatte ich aus Erfahrung festgestellt, daß die Frauen sehr geneigtsind, ihren Männern vorzuhalten, wie deren Dienste in gemein-samen Arbeitsverhältnissen nicht genug anerkannt würden uudsie sich von ihren Mitarbeitern ausbeuten lassen. So mußte ichauch immer von der meinigen hören, daß ich alles allein mache,während die andern sich amüsierten, dabei aber die großen Ein-nahmen hätten. Der Widerspruch löste sich eben dadurch, daß ichkeiu Kapital im Geschäft hatte, die anderen aber wohl. Darummußte ich von meinem Anteil eben erst die jährlichen Zinsen, diedamals noch mit fünf Prozent verrechnet wurdeu, mir abziehenlassen, und in den Jahren, wo wenig verdient oder wo, wie esauch einmal vorkam, verloren wnrde, ließ das als Gewinnanteilsehr wenig oder nichts übrig.

Ich setzte es nun doch endlich durch, eiueu größeren Anteilzu erhalten. Die Hauptsache aber war, daß die guten Jahre