Druckschrift 
Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

vor dieses Ergebnis aber bekannt gemacht wurde, erklärte der Führerder Delegation von Nordkarolina, Skinuer, daß dieselbe sich eines an-dern besonnen und die 95 Stimmen, die sie ursprünglich gegen denAntrag, die Wahl des Vizepräsidenten zuerst vorzunehmen, abgegeben,nun für denselben abgeben wolle. Der Antrag wnrde dadurch mit 735gegen 615 Stimmen angenommen und im ersten Wahlgange der radi-kale Populist Thomas E. Watson von Georgia als Kandidat der Po-pulisten für den Vizepräsidentenposten gewählt.

Watson ist 40 Jahre alt und ein Sohn armer Eltern; wie diemeisten der am öffentlichen Leben in Amerika beteiligten Leute hat erdie Rechte studiert und als Rechtsanwalt praktiziert. Ursprünglich De-mokrat, ist er nach seiner Wahl zum Kongreß zu den Populisten über-gegangen ; als Abgeordneter hat er sich besonders durch eine Rede be-kannt gemacht, in der er die Trunksucht seiner Kollegen im Kongreßauf das Heftigste angriff und behauptete, daß dieselbe sie an der Aus-übung ihrer Pflichten verhindere. Die Rede machte ein solches Auf-sehen, daß der Kongreß ein Komite ernannte, um die Begründuug derAnschuldigungen zu prüfen; dasselbe erklärte, keine Gründe für denAngriff gefunden zu haben, aber die Rede gab kirchlichen und Mäßig-keitskreisen Veranlassung zu weitgehenden Erörterungen. Watson istder Verfasser eines 1892 erschienenen Werks:Keine Revolte, eine Re-Volution" l^ot -r revolt. Ir 13 g. üsvolutioir), in dem er die Grund-sätze des Populismus verteidigt und die bestehenden Zustände angreift.

Nach weiteren heftigen Kämpfen im Schöße der Populistenver-sammlung wurde Bryan zum Präsidentschaftskandidaten mit 1042Stimmen gegen 321 gewählt, welche letzteren der Kandidat der Radi-kalen, Oberst Norton, der Herausgeber des Chicago Expreß, erhielt.Die Texas Delegation gab ihre 103 Stimmen geschlossen gegen Bryanab und trat gleich nach der Sitzung zu einer Beratung zusammen, inder beschlossen wurde, Bryan aufzufordern, sich innerhalb dreißig Tagenkategorisch über seine Annahme des populistischen Programms zu er-klären, und falls er dies ablehne, Schritte bei dem permanenten Konnteder Partei zu thun, um durchzusetzen, daß die Stimmen der Parteifür Norton als Präsidenten abgegeben würden. Auf der andern Seitehat der Leiter der Versammlung, Senator Allen, es verstanden, imletzten Augenblick für das permanente Koinite die Vollmacht zu erlangen,alles zu thun, was das Interesse der Partei erfordere. Man nimmtan, daß diesem Schritte die Absicht zu Grunde lag, Watson über Bordzu werfen nnd Sewall als Vizepräsidentschaftskandidaten der Parteianzuerkennen; aber wenn eine solche Absicht bestand, ist sie längst auf-gegeben worden, da ein Versuch zur Ausführuug derselben die Popu-listen der Südstaaten zur Sezession treiben würde.

Bryan selbst hat nach der Wahl Watsons an den die Interessender demokratischen Partei bei der Populisteuversammlung vertretendenSenator Jones (seitdem zum Gouverneur von Arkansas erwählt) tele-graphiert, daß er nach Scwalls Niederlage die Wahl der Populisten