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für das Wohl der Allgemeinheit wichtigen Industriezweige wurden ohneDiskussion abgelehnt.
Wie man sieht, ist das Programm der Populisten in vielen öko-nomischen und politischen Fragen ein viel eingehenderes und durchgreifen-deres, als das der demokratischen Partei, während der Hauptbeschwerde-punkt der letzteren, die Einmischung der Bundesregierung in die Re-gierung der Staaten mit einem kurzen Satze abgemacht wird. Vielleichtist dies dem zuzuschreiben, daß bei den Populisten das bei den Demo-kraten durch Altgeld Vertreteue, persönlich treibende Element fehlte,wenn nicht der Thntsache, daß der schlechte Eindruck, den das Vorgehender Demokraten gegen den höchsten Gerichtshof fast überall gemacht,die Populisten von der Begehung desselben Fehlers abgehalten hat.
In den Vereinigten Staaten ist viel über den äußeren Eindruckder Populistenversammlung gespottet worden, deren Teilnehmer ohneRöcke, Westen und Halstücher, mehr Bauern bei der Heuernte als Poli-tikern ähnlich gesehen hätten. Auch das weibliche Element hat sich un-gebührlich vorgedrängt, nicht nur auf den Gallerien mit Beifall undZischen, sondern auch in der Versammlung selbst, als Rednerinnen,Bannerträgerinnen uud Bänkelsängerinnen. Das Wichtigste ist aber,daß die Vorsitzenden die größte Mühe hatten, die Versammlung inOrdnung zu halten; jeder redete, mehr oder weniger, wann, wie undwas er wollte und es kam daher zu sehr heftigen Auseinandersetzungen;einer der Redner mnßte gewaltsam von der Bühne entfernt werden,und Thütlichkeiten sind mehr als einmal nur mit Mühe vermiedenworden. Es scheint daher zweifelhaft, ob die Populisten selbst bis zumWahltage zusammenhalten werden, das Einverständnis dürfte aber aucheinen günstigen Ausfall der Wahl kaum lange überdauern.
Außer den drei bisher erwähnten Parteien besteht noch die Pro-hibitionspartei, die das Verbot des Genusses alkoholischer Ge-tränke auf ihre Fahne gesetzt hat; in ihrem Programm spricht sie sichfür gesundes Geld und die ehrliche Erfüllung eingegangener Verpflich-tungen aus. Sie hat indessen ebenso wie die sozialistische Arbeiterparteinur die Bedeutung, daß sie den andern Parteien eine, wenn auch nichtgroße Anzahl Stimmen entzieht, die bei den sehr verwickelten nnd ver-schobenen Verhältnissen immerhin einen, wenn auch indirekten, so dochmaßgebenden Einfluß auf den Ausfall der Wahl in einem oder demandern Staate ausüben können. Ihre in Baltimore gewählten Kandi-daten sind Joshua Gevering von Maryland und Hole Johnson vonIllinois . Die nach Zahl und Einfluß uoch unbedeutendere sozialistischeArbeiterpartei hat in New-Dork Charles H. Matchett von New-Iorkund Matthew Mc. Guire von New-Jersey aufgestellt.
Wie die Freisilberrepublikaner die Silverites gewühlt haben, istbereits angegeben worden; ihr Programm, in dem nur die finanz-ökonomischen Fragen behandelt werden, deckt sich mit dem der Demo-kraten, nur daß es die meisten Punkte noch schärfer betont, wie nicht