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anders zu erwarten war; enthält doch die Partei die Männer, die am22. Januar d. I. in Washington das amerikanisch-bimctallistische Pro-gramm aufstellten und damit recht eigentlich die Silberfrage in Flußbrachten.
Die Golddemolratcn, d. h. die der demokratischen Partei ange-hangen Freunde der Goldwährung, haben sich nicht, wie ihnen vonvielen Seiten und namentlich auch von der Dcma'schen „New-Hork-Sun" angeraten wurde, entschließen mögen, einfach für Mc. Kinleyzu stimmen, um den vereinigten Silberdemokraten, Silberlenten undPopulisten den Sieg zu entreißen; sie haben vielmehr als nationaledemokratische Partei ihre eigene Versammlung in Indianapolis gehabtund als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl Palmer nnd Vuckueraufgestellt. Ob sie damit einen andern praktischen Erfolg erzielen wer-den, als vielleicht den, den Kern einer später auf den Trümmern deralten demokratischen Partei entstehenden neuen zu bilden, muß dahin-gestellt bleiben. In Amerika selbst hält man sie vielfach für eine Parteivon lauter Generalen ohne Soldaten und es ist nicht unmöglich, daßsie das bleiben werden, da viele Demokraten es vorziehen werden, fürMc. Kinley zu stimmen, statt durch eine weitere Zersplitterung derStimmen den Interessen Bryans zu dienen. Bei den Wahlen in Maine z. B. müssen mindestens 15 000 Demokraten für die republikanischenKandidaten gestimmt haben, während mir 600 und einige Stimmenfür die Kandidaten der Golddemokraten abgegeben worden sind. DasProgramm der Golddemokraten ist, was die Wührungsfrage angeht,das der republikanischen Partei, nur daß in ihm die durch Haltungder Silberdemokraten notwendig gewordene Ablehnung jedes Repu-diationsgedankens schärfer hervortritt.
Ein dem silberdemokratischen wie dem populistischen Programmangehöriger Punkt, die Forderung der baldigen Aufnahme von Neu-Mexico und Arizona unter die Staaten, verdient besondere Erwähnung.Bekanntlich sendet jeder Staat, welches immer seine Bevölkerungszahlsein möge, zwei Senatoren in den Senat der Union. Die Vertreterder kleinen, meist silberfreundlichen südlichen und westlichen Staatenbesitzen daher in dieser Körperschaft fast ebenso viele Stimmen, als dieder größeren nördlichen und östlichen Staaten; Neu-Mexico und Arizona würden den erstcren vier weitere Stimmen und damit die Majoritätgeben, was wenn es auch vielleicht nicht zur Ausführung der Wünscheder Silbcrmünner beitragen würde, jedenfalls alle Maßregeln der Gold-männer verhindern könnte. —
In Vorstehendem ist geschildert worden, welche tiefe Spaltungendie Währungsfrage in der Zusammensetzung und der Haltung derfrüheren Parteien verursacht hat; es wird sich daher empfehlen, festzu-stellen, aus welchen Elementen die Gegner der Goldwährung sich zu-sammensetzen, und wie es möglich gewesen ist, daß das, was in denVereinigten Staaten als „Silberwahnsinn" „silvs!- oiÄ2s" bezeichnetwird, so weite Kreise ergreifen konnte, daß es immer noch als zweifel-
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