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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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Austritt derjenigen veranlaßt, die sich seitdem als nationale demokra-tische Partei konstituiert haben, sondern es mehrt sich auch täglich dieZahl derer, die erklären, daß sie von den auf der Grundlage desSilberprogramms zusammengetretenen Komites Ernennungen für Staats-wahlen nicht annehmen könnten. Die vor kurzem erfolgte ErklärungBrycms, daß er die auf ihn seitens der Populisten gefallene Wahl an-nehme, wird die Zahl der abtrünnigen Demokraten noch vermehren,denn wenige derselben werden geneigt sein, zur Wahl eines populisti-schen Präsidenten beizutragen. Daß aber Bryan selbst Populist ist,dazu würde es weder seiner jetzigen Erklärung, noch der früher vonihm abgegebenen, daß er aus der demokratischen Partei austreten werde,falls dieselbe nicht die freie Ausprägung von Silber in ihr Programmaufnehme, bedürfen, seine ganze Laufbahn spricht für seine Zugehörig-keit zu der Partei, an deren Trog, wie die Zeitungen sagen, die Leiterder Versammlung in Chicago , Tillman, Altgeld und Jones, die demo-kratische Partei geführt haben.

William Jennings Bryan wurde 1860 in Illinois geboren, erhat daher nur eben erst das zur Wahl zum Präsidenten erforderlicheAlter, 35 Jahre, erreicht; als Sohn unbemittelter Eltern erhielt er seineerste Erziehung in den öffentlichen Schulen. Siebzehn Jahre alt, bezoger für vier Jahre das Illinois College in Jacksonville und später dieUnion Rechtsschule in Chicago , an welchem Platze er sich die Mittelzur Fortsetzung seiner Studien durch Arbeit bei einem Rechtsanwalterwarb. Nach Beendigung seiner Studienzeit trat er mit einem seinerSchulgenossen in Verbindung und errichtete mit ihm zusammen einRechtsanwaltbureau, aber wie er es schon früher gethan, widmete erseine Zeit und sein Interesse hauptsächlich der öffentlichen Diskussionpolitischer Fragen. 1884 vermählte er sich mit Miß Mary Baird , dieals Studentin den Annex der Rechtsschule besuchte, der Bryan ange-hörte. Sie bestanden ihr Examen zu derselben Zeit, und Miß Bairdwurde später als Rechtsanwalt zur Praxis bei den Gerichtshöfen inNebraska zugelassen. Mrs. Bryan ist Schriftstellerin und Präsidentinder I^inooln Korosis.

Die politische Laufbahn Brycms ist eine kurze. 1890 wurde ervom ersten Wahlbezirk von Nebraska in den Kongreß gesandt, wo seineReden ein gewisses Aufsehen erregten; in einer zweiten Session stiegsein Ansehen als Redner, aber ein Versuch, in den Senat gewählt zuwerden, mißlang 1894; er wurde von dem republikanischen Kandidatengeschlagen und übernahm in Omaha die Herausgabe des World Herald,während er sonst als Wanderredner wirkte. Er hatte den Ruf eineskirchlich gesinnten, enthusiastischen Mannes, der stets für den niedrig-sten, mit den Bedürfnissen der Regierung vereinbarlichen Zolltarif undfreie Silberausprägung eingetreten war. Sein Rednertalent hat ihmauf der Versammlung in Chicago , an der er nur als Mitglied einerMinoritütsdelegation seines Staates teilnahm, die Ernennung zumPräsidentschaftskandidaten gebracht, aber seit derselben hat er seinen