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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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zu übersenden und sich zu verpflichten im Falle seines Sieges, einenunmittelbaren Druck auf die deutsche Regierung auszuüben zum Zweckder Wiederherstellung des Silbers als Währung der Welt. Es magja einen recht erheiternden Eindruck gewähren, deutsche Bimetallisten,Brycm, dessen ganze Kandidatur auf der Illusion beruht, daß Amerika selbständig vorgehen könne und müsse, ihre Unterstützung anbieten zusehen, es ist jedenfalls auch recht ergötzlich, deutsche Aristokraten mitden Adjutanten BryansMistgabel" ° Tillman undBlut bis anden Sattel" Wcnte, wie sie nach besonders hervorragenden oratorischenLeistungen genannt werden, Arm in Arm zu sehen, aber es würde dochauch ganz interessant sein zu erfahren, wie die Herren sich mit derThatsache abzufinden gedenken, daß Witwen und Waisen bei unsgesetzlich gezwungen sind, ihr Geld in ersten Hypotheken und bis jetztfür sicher gehaltenen Papieren anzulegen, und welchen Vorteil sie fürDeutschland daraus erstehen zu sehen hoffen, daß die Leute, die durchden höheren Zinsfuß der amerikanischen Papiere verlockt, ihr Geld indenselben angelegt haben, dasselbe teilweise oder ganz verlieren. Biszu einer befriedigenden Beantwortung dieser Fragen werden sie es nurnatürlich finden können, wenn von Seite der Freunde der Goldwäh-rung in ganz entschiedener Weise gegen jeden Versuch, die Silberwäh-rung einzuführen, Front gemacht wird.

Der Kampf um die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten ist, wie gezeigt, im wesentlichen ein solcher zwischen den wirklichen Inte-ressen der Industrie, und zu derselben gehören in diesem Falle alle Lohn-arbeiter, und den scheinbaren des Ackerbaus, (sind doch in den letztenWochen, trotz des fallenden Silberpreises die Preise von Weizen und Maissehr erheblich gestiegen), an die sich alles gehängt hat, was bei irgendeiner Aenderung nur zu gewinnen und nichts zu verlieren hat. Daßunter dieseu Umstünden und bei dem durchaus demagogischen Charakterder Propaganda, die seitens der Leitung der Silbermänner, mit Brycman der Spitze, getrieben wird, wie bei der Thatsache , daß bei einemTeil der Führer der silberdemokratischen Bewegung unzweifelhaft dieTendenz vorherrscht, die einzelnen Staaten unabhängiger, als dies selbstbisher der Fall gewesen ist, von der Regierung der Union zu machen,vielfach Besorgnisse laut werden, daß ein Ausfall der Wahl gegen dieDemokraten zu Ausschreitungen führen könne, wird um so wenigerwundernehmen, als die sozialistischen und anarchistischen Elemente inIllinois auf eine rücksichtsvolle Behandlung seitens des GouverneursAltgeld zu zählen berechtigt sind. Die republikanische Partei wird da-her, falls sie den Sieg erringt, eine um so schwerere Aufgabe zu lösenhaben, als ein Teil der von den anderen Parteien verlangten Reformen,wie z. B. die Einführung einer Einkommensteuer, sich unzweifelhaft derSympathien eines sehr großen Teils der Bevölkerung erfreut.

Die silberdemokratische Partei wird voraussichtlich vor den Wahleneine sehr erhebliche Zahl von Fahnenfluchten zu verzeichnen haben.Schon die Annahme des Chicagoer Programms hat nicht allein den