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zu hohen Preisen abgingen, nicht genug Land auf Kredit ankaufen.Auf einmal machte sich die südamerikanische, russische und rumänischeKonkurrenz bemerklich: Fleisch erlitt seit den Jahren 1886 und 1887.Baumwolle, Weizen und Hafer 1892/94, Mais und Kartoffel 1895einen rapiden Preisfall. Und doch verlangten die Banken, welchedie Gelder zu den Landankaufen vorgeschossen hatten, selbstverständ-lich volle Bezahlung. Aus dem, was der Farmer baut, kann erZins und Kapital nicht bezahlen; daher fordert er, daß seine Schuldendurch die Entwertung der Valuta gekürzt werden. So sonderbar auchdieses Verlangen ist, so ernst ist es ihm damit. In Kentucky, Kansas ,Dakota und den angrenzenden Staaten sind schon Tausende Farmerbankerott geworden und schweben Tausende in ständiger Angst vor derdrohenden Subhastation. Was kümmern sie sich um Nernunftgründe?Schlimmer kann es nicht werden. Bryan verspricht einen Wechsel ihrerLage; also versuchen sie es mal mit ihm.
In der Spekulation auf die Geldentwertung übertreffen dieamerikanischen Agrarier sogar ihre europäischen Standes- und Gesin-nungsgenossen. Beispielsweise erklärte Horace Boies , der Führer derDemokraten von Iowa , im November 1895, unumwunden, diedortigen Farmarbeiter erhielten einen Tagelohn von 1,15 Dollars;dieser Satz sei so hoch, daß er außer Verhältnis zu den gegenwärtigenPreisen der Landesprodukte stehe. Um ein entsprechendes Verhältnisherbeizuführen, gebe es keinen andern Weg als den der Verminderungder Kaufkraft des Geldes, in dem die Löhne bezahlt werden. In diesenWorten liegt eine so urwüchsige Offenheit, daß dadurch selbst unser„Bund der Landwirte" übertroffen wird.
Wie also bei uns, so dreht sich anch in der Union der Streithauptsächlich um die Gestaltung der Preisverhältnisse. Bei derGemeinsamkeit der Berührungspunkte ist es wohl gestattet, die Ver-sprechungen der dortigen Silberagitatoren noch näher darzustellen.
Den Ausgangspunkt bildet hiefür die längst überholte Quantitäts-theorie, das alte Vorurteil, als ob der Warenpreis durch die Mengedes vorhandenen Geldes bestimmt werde, und als ob man nur dieselbezu vermehren brauche, um steigende Preise und zunehmende Pros-perität herbeizuführen. Es seien, erklärt Bryan in jeder seiner Reden,nicht genügende Umlaufsmittel vorhanden, um die Geschäfte des Landeszu besorgen, deshalb habe das Gold zum Schaden des weißen Metallsan Wert zugenommen. Nun zeigt sich im Verkehr durchaus kein Be-darf nach mehr Silbergeld, sonst würde er ja die eingekellerten Silber-dollars im Betrage von 1^/2 Milliarden Mark schon lange aufgenom-men haben. Insbesondere haben die Vereinigten Staaten zur Zeitetwa denselben Betrag an Umlaufsmitteln, wie im Jahr 1892, wodoch das Geschäftsvolumen mindestens ein doppelt so großes gewesen,als heute. Damals wurde nicht über Maugel an Geld geklagt; wiekönnen die Silberleute behaupten, daß man bei dem um die Hälfteverminderten Geschäftsbetriebe heute mehr Geld nötig habe? In Wirk-