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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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lichkeit braucht man mehr Geschäfte, um das Geld thätig sein zu lassen.Die Union hat auch nicht einen unverhältnismäßig niedrigen Geldumlauf;es entfallen an Gold-, Silber- und Papiergeld auf deu Kopf der Be-völkerung der Vereinigten Staaten 94 Mark, in England 83, inDeutschland 80 Mark; 1873, als die Geschäfte gut gingen, waren inden Ver. Staaten an Hartgeld 310 und au Krcditgeld 3010, zusammen3320 Mill. Mark im Umlauf; 1889, da die Produkteupreise zu sinkenbegannen, und als das Heilmittel dagegen die Shermanbill betr. die Ver-mehrung der Silberaniäufe erlassen wurde, waren schon 1920 Mill.Mark au .Hartgeld und 3600 Mill. Mark an Kreditgeld, zusammen5520 Milk Mark vorhanden. Von 18781893 hat die Regierung mehrSilbergeld uud durch Silber fundiertes Papiergeld ausgegeben, alsalle europäischen Länder zusammen; die Warenpreise sind aber trotzder Erhöhung der Eingangszöllc nicht gestiegen. Heute ist in den Ver-einigten Staaten die Menge der Umlcmfsmittel bedeutend größer, alsvor zwei Jahrzehnten; sie ist seitdem gerade so angewachsen, daß darindie beste Widerlegung der Quantitätstheorie liegt; nach den Berech-nungen des amerikanischen Schatzamts entfielen an zirkulierenden Um-laufsmitteln auf den Kopf der Bevölkerung 1870 : 73 Mark. 1878 :62 Mark, 1895 : 94 Mark. Obgleich die europäischen Staaten einevollständig verschiedene Währungspolitik verfolgt haben, hat sich dochhier wie drüben derselbe allgemeine Preisrückgang bemerkbar gemacht.Die fortwährende und enorme Vermehrnng der Ümlaufsmittel hat ihnnicht aufhalten können, weil er aus gauz anderen Ursachen entstandenist, nämlich aus der Verbilligung der Produktion und des Transports.Diese Ursache wird durch die Geldvermehrung in keiner Weise getroffen,sie würde fortwirken, auch wenn es gelänge, den Geldwert herabzu-drücken und die Preise künstlich zu heben. Diese preisdrückende Ursachekann der Staat wohl suspendieren, indem er in den Riß einsteht, aber einederartige Intervention nützt erfahrungsgemäß den Beteiligten auf dieDauer wenig nnd ruiniert den Staatskredit. Erfolgt dann früher oderspäter der Znsammenbruch, dann find die Nüchstbeteiligten doppelt ge-liefert. Uebrigens ist ein Preis nicht gefallen, sondern gestiegen, nämlichder Preis für menschliche Arbeit. Und das bleibt für den größten Teil allerMenschen die Hauptsache. Selbst wenn die Warenpreise vollständigunverändert geblieben wären, so würde sich das Los aller Menschengebessert haben, weil die Arbeitslöhne unleugbar gestiegen sind. Wennder Arbeiter mehr verdient, so kann er auch besser leben. Die Durch-schnittslohnrate in Amerika ist gegenwärtig beinahe 60 Prozent höherals in 1860 uud etwa 20 Prozent höher als beim Schluß des Bürger-krieges, (wo die Arbeiter mit entwertetem Papiergelde bezahlt wurden).Zugleich ist auch der Zins und Diskont beständig niedriger gewordenund beträgt heute nur noch die Hälfte gegen früher.

Nun soll die Mehrauspräguug vou Silber nicht nur die Preise in dieHohe treiben, sondern auch die Geschäfte wieder mehr beleben. Das Gelddes Landen, sagen die Silberleute, ist in New-Iork aufgespeichert; wird