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mehr Geld geprägt, so fließt es den Geschäften und der Landwirtschaft zn.Sic meinen, weil das Kapital brach liegt, weil es schwer hält, Anleihenund Wechsel diskontiert zu erhalten, solle die Regierung noch mehrKapital schaffen. Aver es fehlt keineswegs an Geld — das wäre,wie der niedrige Diskont und die Depositenausweise zeigen, in Ueber-menge zu erlangen — sondern an Verträum, das das Geld flüssig macht,an der Neigung der Kapitalisten, ihr Geld in der Richtung, die denSilbermännern genehm wäre, anzulegen. Solleu sie es etwa in dieLandwirtschaft stecken, um in einigen Monaten eine mehr oder mindergroße Kurseinbuße zu erleiden? Siegt aber je Bryan, so werden die Gläu-biger mit dem Kündigen ihrer Hypotheken wohl flinker sein, als dieFarmer und nicht warten, bis ihre Schuldner das sogenannte „billige"Geld haben.
Ein Mißstand allerdings hängt wenigstens indirekt mit dergegenwärtigen Organisation der Umlaufsmittel und des Bankwesenszusammen und der besteht darin, daß der Agrarkredit für dentiefverschuldeten Farmerstand noch gar nicht ausgebildet ist. Wie derFarmer von der Gnade und Ungnade seines „Zsnöral swrs Ivgepsr"(Kaufmann ) abhängt, wnrde anschaulich im „Export" vom 1V. Sep-tember 1896 geschildert. Der Kaufmann kreditiert bis zur Ernte denLebensbedarf, wogegen er im Herbst den Weizen und die Schweine,nach einigen mageren Jahren schließlich die ganze Farm erhält. Hinterdiesem Kaufmann stehen die östlichen Kapitalisten und Bankiers, dieGetreidclager, die Bahn-, Spar-oder Versicherungsgesellschaften: ihnenschiebt der Farmer all sein Unglück in die Schnhe; mit Freudenwürde er seinen Hypothekengläubiger in 53 Cents-Dollars befriedigen unddabei noch glauben, ihnen bloß das heimzuzahlen, was er durch Jahreunter der Tyrannei seiner Geldlcute zn leiden hatte. Es fehlt dortan Hypotheken-, Noten- und Diskontobanken: aber auch das hiczu er-forderliche Kapital kann nicht durch die Silberfreiprägung hervor-gezaubert, sondern im Gegenteil, wegen des damit verknüpften Mangelsan Vertrauen nur abgeschreckt werden.
Es erhellt hieraus, daß der Preisrückgang nicht die einzigeUrsache dessen ist, was man Agrarkrise nennt. Eine andere Ursacheliegt in der Abhängigkeit der Großgrundbesitzer vom Landeskredit, daihnen, wenigstens in der Union, durchschnittlich nur 6V Prozent des An-lagekapitals zu eigen gehört. Die Landwirte, die gegen die Grund-lagen des Landeskredits agitieren, unterwühlen damit nur die Grund-lagen ihrer eigenen Existenz. Mit Rücksicht hierauf führte in seinerRede vom 7. September 1896 Karl Schurz aus: „Die Farmermögen wohl überlegen, wie sehr der Verkauf ihrer Stapelproduktevon der Fähigkeit der Banken abhängt, ihnen Geld für die Bergungund Bewegung smovsmsnt) der Ernte vorzuschießen. Sie mögen sichan 1893 erinnern, als infolge der Krisis in jenem Jahr die Bank-maschincrie nicht arbeitete, als die großen Getreidclagerhänser plötzlichgezwungen waren, cmsznverkanfcn, und die Getreidepreise fielen, wie