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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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er gerufen. Nun ist das Vertrauen des in- und auslandischenPublikums ohnehin so erschüttert, daß es weitgehender Experimentegar nicht bedarf, bis der Kredit ganz schwindet. Sobald aber dieserFall eintritt, wird das Gold thesauriert oder verschifft und ist es um dieAufrechterhaltung der Währungsparität oder der Doppelwährung unddes Silberpreises, um die Votlwertigkeit der Silberdollars uud derSilbercertifikate, geschehen. Silber würde Bryan natürlich genug be-kommen, in den ersten Monaten wohl gleich für eine Milliarde Mark;aber mit der Goldeinlösung und Vollwertigkeit der dagegen auszu-gebenden (Zertifikate wäre es bald vorbei. Amerika hätte eine Silber-währung mit schwankendem Kurs, der voraussichtlich, wie die Gewin-nung und Einfuhr vou Silber eine steigende, so eine sinkende Tendenzverfolgen würde. Dabei wäre es zwar schon möglich, daß die Ver-schlechterung der Valuta bald in einer gewissen Erhöhung der Waren-preise zum Ausdruck gelangt; sicher aber würde die Nervosität derGeschäftsleute und die Aengstlichkeit der Kapitalisten noch mehr gesteigert.Deshalb erscheint es als wahrscheinlicher, daß, noch ehe die Geldentwertungihre Wirkung auf den Preisstand ausüben kanu, eine Verschlechterung derZahlungsbilanz und eine Geldkrise eintritt, unter der sich nicht eineregere Kauflust und damit die versprochene Preiserhöhung, sondern imGegenteil ein Preis- und Geschäftsdruck einstellen müßte. WelchenTiefstand dann die amerikanische Valuta erreichen würde, das läßt sichnicht ermessen. Die finanzielle Kalamität würde sich in einer Weise aus-wachsen, die an argentinische Zustände erinnern und den internationalenBimetallismus wohl für längere Zeit unmöglich machen dürfte. Im Ge-folge damit würde weiter eine Verschlechterung der Wechselkurse und eineSchwächung der amerikanischen Kauf- und Konsumtionskraft eintreten,unter der unsere Handelsbeziehungen noch mehr zn leiden hätten, alsunter der von Mc. Kinley zu befürchtenden Zollerhöhung.

Am besten bei dem Wahlkampfe werden unsere Bimetallistenfahren. Im vorigen Jahre reklamierten Kardorff und Genossen dieganze Union und mit Nachdruck sogar die Angehörigen derLcmnclrllous/ xs-rtz^ für ihre Partei. Im September 1896, auf demPester Agrarkongreß, gaben sie ihrer Seelenverwandtschaft mit Bryandurch eine Adresse Ausdruck, in der sie ihm soufflierten, der ameri-kanische (!) Farmer werde durch den Silberkurs (!) der mit ihm kon-kurrierenden Länder, (nämlich Argentiniens, Rumäniens, Rußlands !) umallen Lohn für seine Arbeit beraubt und daran seien des FarmersGläubiger schuld, eine so tiefsinnige Phrase, daß nicht einmalein Bryan sie nachzusprechen wagte. So haben sie ihre Sache aufsbeste bestellt: mag Bryan oder Mc. Kinley durchdringen, für jedenFall werden sie das Ergebnis als einen ihrer vielen Siege aus-posaunen. Im übrigen sind seit dem kläglichen Ausgang der BrüsselerKonferenz von 1892 in der Union alle Parteien darüber einig, daßeine internationale Verständigung gar keine Aussichten hat; geradedie Silberdemokraten wollen nur einenationale" Währung und vom