Die Gelegenheitsschriften. Unbehagen über den altzeitlichen Büchermarkt. ZI
wünsche, die schon im 16. Jahrhundert unter Glas und Rahmen anden Wänden der Wohnstuben aufgehängt wurden.
Betreffs der Gestaltung des Büchermarkts, wie wir sie vorhin ge-kennzeichnet haben, macht sich vielfach ein ziemlich deutliches Unbehagengeltend. Es bestand ein unbestimmtes Drängen und Tasten nach neuenFormen und Inhalten auf Seiten des Buchhandels, des großen gebildetenPublikums, der ernsthaften Gelehrtenwelt. Auf die Unzufriedenheit desBuchhandels ist an sich das geringste Gewicht zu legen. Er klagte überdie mangelnde Kauflust des Publikums; wann hätte er es nicht gethan?Immerhin kann man aus der ewigen Klage den Klang der Zeit heraus-hören. Der beste Handel, hieß cö damals, sei in den Universitätsstädten.Je schwächer das gelehrte Element war, desto häusiger war die Klagedes ansässigen städtischen Sortimenters, daß fast niemand als „Kirchen,Schulen, dürftige Pastoren, arme Studenten und Schüler"^ Bücherkaufe. Was das gebildete Publikum betrifft, so spricht ein um dieWende des 17. Jahrhunderts geschriebenes Büchlein^ in kräftigen Wortenseinen Ekel und Überdruß gerade über diejenigen beiden Punkte aus,die sich uns als die beiden Hauptmerkmale des alten Büchermarkts zeigtengegen die spezielle gelehrte und die allgemeine theologische Littcratur, dieewigen Postillen und Postiltenreuter, mit denen man ganze Ströme ver-schütten könnte, und die ewigen Systemata, Tyrocinia, Eompendia, Enchi-ridia :c. in Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie. Wasjetzt endlich nötig sei, das seien allgemeinverständliche Schriften überNatur und wieder Natur, Mathematik und Mechanik, über die „notabelnVeränderungen, Kriege, Staatsbegebenheiten, Gesandtschaften, impor-tanten Allianzen" und die vielen andern denkwürdigen Zufälle derVölker, der Reiche und Republiken. Das seien nützliche Werke!
Die Gelehrten endlich klagten vielfach über die Sprödigkeit der Ver-leger ihren Angeboten gegenüber.^' An sich gewiß ein gutes Zeugnis,das sie damit der fortschreitenden Lebendigkeit des Buchhandels und derLitteratur ausstellten. Beachten wir dabei eine in zwei Punkten un-richtige Auffassung von der Stellung des Verlegers gegenüber der litte-rarischen Produktion. Man sah dabei erstens den Verleger als denMann an, der die Werke und Werkchen, die der Gelehrte in seinerKlause erzeugte, dankbar in Empfang zu nehmen gleichsam verpflichtetwäre. „Die einem ^.uwri eine NatenÄM abhandeln", das ist die Defi-