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2, Kapitel: Dcr Büchermarkt.
nition dcr Buchvcrleger in Bechers Politischem Diskurs <1ti68).^Ähnlich redeten freilich die Buchhändler selbst. Die Baseler Buchdruckererklärten 1724: „Verlags Bücher sind diese: Wann ein Buchhändler einemMann ein Manuskript, so dieser entweder eomponirt oder trauslatirt umbsein baares gelt abkauft uud hermachen auf seine Kosten drucken läßt hiemitsich zum Proprietär des Buches macht." ^ Eine so passive Rolle spielteaber dcr Verleger durchaus nicht immer. In einer Schrift vom Jahre172li heißt es: „Wer mit Büchern handeln will, der muß zusehen, daßer dergleichen Gnt sich anschaffe, und dabey gute Autores suche, dieselbeaufmuutere, sie bezahle."^ So sind die verbesserten Klassikerausgabcnder Gleditsch und Weidmann zum besten Teil von den Verlegern aus-gegangen. Daß sie von Carpzow darauf aufmerksam gemacht wurdeu,äudert daran nichts. Sie machten den Gedanken zu dem ihren, denGedanken zum Geschäft und gewannen von sich aus verschiedene juugeGelehrte zu seiner Ausführung, zur Herstellung vou Klassikernuögabenim Geiste Minclliö und nach dem Beispiele vou EellariuS.^ Der erstePuukt aber hängt unmittelbar zusammen mit einem zweiten. Denn ge-wiß war diese Initiative aus dem cigeutlicheu gelehrten Gebiete geringer,und gewiß war es vielfach uicht ursprünglicher Anstoß, sondern, wasauch Becher natürlich voraussetzt, das Verhalten dem Angebote gegen-über, worin sich die aktive Rolle des Verlegers bethätigtc. Was entschieddabei? Nach Leibniz waren die Buchhändler erfüllt von Geldgier undUnwissenheit. Deshalb seien sie dem Angebot gegenüber so heikel. „Siewissen nicht, was wühlen, und trauen den Gelehrten nicht, da sie glauben,diese verstehen mehr was gelehrt, als was verknufbar sci."^ Es ent-schied mit andern Worten nicht, wie die Gelehrten es vielfach als soselbstverständlich forderten, das Interesse der Wissenschaft an sich; auchnicht, wie es die Moralisten verlangten, der moralische Wert der Pro-duttion; sondern dies: daß der Buchhändler verdienen wollte. Darin liegtan sich kein Tadel. Wenn der Buchhändler nicht verdient, kann er nnchnichts nützen. Gerade in letzterer Beziehung waren es freilich schondamals die Buchhändler, die sich vor der Welt gern selbst als die un-eigennützigen Pfleger alles Guten und Edlen aufspielten. Härtung inKönigsberg gab zu Ende unseres Zeitraums als die Grundsätze, denender Verleger bei der Auswahl des Angebots folge, an: Abweisung allesThörichten und Unreinen, auch wenn es dem herrschenden Geschmack ent-