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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Buchhandel und Wissenschaft. Angebot und Unternehmung.

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spreche; Besserung seiner geliebtesten Landsleute und ihre tiefe Gründungin der Tugend. ^ Wenn es darauf ankam, sprach man freilich anders.Als ein Berliner Buchhändler im Jahre 1690 um Schutz seines Buch-handels eiukam, damit nichtKirchen Schulen und gemeinen bestenSchaden zugezogen werden möge", machte einer seiner Konkurrenten aufder Eingabe die Randbemerkung:Kirchen und Schulen, ach Gott dertheure nähme dein! der muß seines Geitzes, Neides und Bosheit Deckelseyn".^" Die fünf Regeln, die Becher dem Buchverlcger für seinenmißlichen Handel" gab ^, sind nüchterner als die Hartungschen. Seinezweite Regel sagt: Du sollst nur Materien von bewährten kurrentenAutoren einhandeln.

Der Buchhandel richtete sich aber durchaus nicht immer nach jenenschönen Hartungschen Grundsätzen, er sah sich auch nicht immer nach be-wahrten Autoren, wie Becher sie verstand, sondern eben nach bewährtenBüchern, wie er sie verstand, um. Waren sie gut: gut; wareu sieschlecht: auch gut; unter Umständen: desto besser.

Was aber die Vcrlcgerspeknlation betrifft, wie bedeutend muß sieauf dem allgemeinen Gebiete gangbarer Bücher gewesen sein, wenn Lcibniz1669 sagen konnte, daß es in jeder größern Stadt durch ganz Deutschland hin dienstbare Geister gäbe,und wäre es gleich nur ein Famulus, dender Buchhändler auf der Straße aufgerafft, zu seinem Corrcktor gemachtund Bücher zu schreiben hilf Himmel wie jetzo- allgemein, halte.Keine Messe geht vorbei, daß nicht eine Masse solcher Scharteken herum-fliege, darin ohne Scheu die Bücher ganze Bogen weise ausgeschriebenwerden." 28 Mit den 1670er Jahren tritt uns die besondere technischeBezeichnungDurchscher" für buchhändlerische Bücherfabrikanten entgegen,die neue Ideen, populäre Littcratnrprodukte, die guten Absatz erzielt hattenoder versprachen, ausbeuteten gewöhnlich, indem sie sie mit verändertemTitel nachdruckten.

Darin, daß sie das erste große Merkmal des Gegensatzes zwischenden Gedanken der Wissenschaft und den Sachen des Buchhandels sind,besteht die Bedeutung der tief- und wcitgrcifenden Gedanken, die Lcibnizin den Jahren 1668/69 entwickelte."

Lcibniz ersehnte und erstrebte eine Wiedcrbringuug, Aufrichtung undVerbesserung der Wissenschaften und Künste. Seine Vorschläge gruppiertensich um drei Grundgedanken: die Aufrichtung einer deutschen Societät,

Geschichte des Deutschen Buchhandels. II. 3