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2, Kapitel: Der Büchermarkt.
die Gründung einer gelehrten Halbjahrszeitschrift (LkMkstrm oder XuelsuZlidi'vrum), beides nach englisch -französischem Muster, und die Reformder Oberleitung des deutschen Bttcherwescns. Was den dritten dieserGrundgedanken betraf, so war der Zeitpunkt zu seiner Verwirklichung,wie Leibniz wenigstens glaubte, ein besonders günstiger. In Mainz mitder Ordnung der Bibliothek des Barons I. C. v. Boineburg, des ver-trauten Ratgebers und ehemaligen Ministers des Mainzer Kurfürsten , be-schäftigt, gewann er durch diesen Fühlung mit dem Kurfürsten selbst. Freund-schaftlichen Mitteilungen aus Wien glaubte er entnehmen zu dürfen,man sei dort der schimpflichen Streitigkeiten, die die beiden zum Bücher-kommissariat zu Frankfurt Verordneten in einem Jnjurienprozeß gegen-einander ausfochten, überdrüssig und fast nicht ungcneigt, sich solcherAngelegenheiten zu entschlagen und sie einem näher gelegenen Stande zuübertragen, sonderlich aber Kurmainz , als dessen Erzkanzlertum allesSchrift- und Buchwesen ohnedem verwandt sei, sodaß also dadurch dieOberleitung des ganzen Bücherwesens und rei 1iter»i-ms durch ganzDeutschland an Mainz gezogen würde. An den nachdrücklichsten Be-mühungen, seine Plane zu verwirklichen, hat eS Leibniz nicht fehlen lassen,und an Gönnern von Bedeutung hat es ihm nicht gemangelt. Eine ganzeReihe von Denkschriften und Briefen, teils im eigenen, teils in Boineburgs Namen, hat Leibniz verfaßt und an Boineburg und den Mainzer Kurfürsten ,an Kaiser Leopold , an Lambeck (Rat, Historiker und Bibliothekar des Kaisers),den Reichsvizekanzler Reichsgrafen v. Königseck, den kurfürstlich Mainzi-schen Rat und Residenten zu Wien Dr. Christoph Guden gerichtet.
Dein Mainzer Kurfürsten sollten zwei Unterbeamte, ein katholischerund ein protestantischer, zur Seite stehen, damit nicht infolge protestan-tischen Argwohns die Sache durch Gegenbestrebungen von der LeipzigerMesse aus vereitelt würde. Man sollte sich vielmehr in die Religions-unterschiede nicht mischen, und Mainz sollte sich als Nachbar Frankfurts mit Sachsen als dem Lande der Leipziger Messe ins Einvernehmensetzen. Mit dieser neuen Oberbehörde aber sollte — unter Mainz alsVorstand — die Gründung eines Gelehrtenvereins verbunden werden,der das Bücherwesen aufbrächte.
Welches sind die Aufgaben dieser staatlich-gelehrten Oberdirektion?Die erste Aufgabe besteht in der Besorgung, nicht nur, wie bisher, derPrivilegsache, sondern auch der Prüfung und Ccnsur der Bücher. Sie