Lcibnizens Rcformpläne.
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hat zu geschehen durch die nächste Universität des Landes. Der Maßstabist das Interesse des Staates, der Frömmigkeit und der guten Sitten.Aber sie hat zu bestehen nicht nur, wie üblich, in nachträglicher öffentlicherKonfiskation, wodurch bisweileu die Bücher nur mehr bekannt und gesuchtwürden, sondern darin, daß man bei Zeiten auf die Bücher Kundschaft lege,damit der Kommissar nicht der letzte sei, der erfahre, was jedermannwisse, und sie gleich anfangs in der Stille unterdrückt werden könnten.
Die zweite Aufgabe aber ist die, den Buchhändlern annehmliche undnützliche Vorschläge zu machen, sie von teils liederlichen, teils gefähr-lichen Scharteken abzubringen; wenn die oxsra zu groß sind, sie zumZusammentreten in Kompagnien anzulocken, aber auch sonst sie zu Ver-legung realer Werke zu veranlassen. Vor dem Kriege hat der Frankfurter Buchhandel sehr floriert, jetzt haben ihn Holland, Genf , Lyon fast ansich gezogen: die deutschen Buchhändler müssen zu Nachdruck und Über-setzung fremder rarer, kuriöser und nützlicher Hauptbücher gebracht werden.Auch sollen die Gemüter durch Spccimina, genaue Kataloge und andereein Licht ins Publikum gebende Unternehmen enkuraschirt und gewonnenwerden. Ja der Mainzer Kurfürst soll eine Reichsbuchhandelsordnungerwirken: „Oränmtionsrn lidrariain coneixi tÄciat, «Mli. Lidlionolae,sowohl die Verleger, als herumbträger und Krämer, dann auch Buch-binder und Buchdrucker tensantur. Oi-üiimtionew iUsm taemt, apxi odariin nockiei'nis comitiis." Endlich drittens sollen durch solche Gelegenheitdie Gelehrten und Kuriösen durch ganz Deutschland nach dem Exempelanderer Nationen zu Korrespondenzen, Kommunikation, näherer Ver-ständnis aufgemuntert werden. Die Engländer haben ihre Societüt,die Florentiner ihre Akademie, die Pariser ihr Journal! Die deutschesoeistas öi'mMoruill, mit dem Sitz in Frankfurt , soll eine Universal-bibliothek, Universalindices herstellen; soll sich in Verbindung setzen mitden königl. französischen und englischen Soeietäten, den italienischenAkademien. Und fügen wir endlich einen Lieblingsgedanken LeibnizenShinzu, der sich ebenfalls unmittelbar aus seinen Voraussetzungen undZielen ergibt, wenn er ihn auch erst später zur Sprache gebracht hat:die Begründung eines Gelehrten-Schutzvereins, einer Subskriptions-gesellschaft zum Schutze gegen die Ausbeutung und Übervorteilung desGelehrten durch den Buchhändler, durch welche Gesellschaft die Gelehrtenihre Bücher selber abzusetzen im stände sein sollen.
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