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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
Das Hauptwerkzeug zur Lösung der dritten der soeben genanntenAufgaben ist die Lemsswia oder der Bücherkern.
„Man hat der lateinischen Übersetzung des französischen Journalsein Privilegium gegeben", schreibt darüber Leibniz an den Kaiser und andere;„unser Werk behandelt Bücher, die uns angehen, es ist das Werk einesDeutschen in Deutschland über in Deutschland erscheinende oder nachDeutschland kommende Werke." Leibniz beabsichtigte ursprünglich die Arbeitselbständig und ohne Privilegium anzufangen; aber auf den dringendenRat seiner Freunde erkundigte er sich „mittelbar und in aller Stille"bei den Buchhändlern. „Die sind aber alle geschwind herausgefahren,daß sie ein so kostbares, mühsames, gefährliches Werk ohne eine besondereVersicherung und Privilegium nicht auf sich nehmen könnten." DerFrankfurter Meßkatalog gibt nur Titel, und diese treffen oft nicht einmalden Inhalt: sie sind zu kurz oder zu groß und zu hochtrabend. Ganz andersder Bücherkern — ausgearbeitet gleich nach der Frankfurter Messe , dannauf die Leipziger gebracht und hier verbreitet: er würde kurz der vor-nehmsten Bücher Zweck, Inhalt und denkwürdigste Sachen angeben, fastnach Art des französischen Journals, das aber zu spät zu den Deutschen kommt und die in Deutschland gedruckten Bücher fast nie berührt.Leibniz veranschlagt den Umfang des Bücherkerns auf halbjährlich zweibis drei Quartbände. Er soll erstens Berichte von Autoreu über allerleiErfindungen, Bedenken, Anmerkungen, neue Gedanken bringen, über diesie kein ganzes Buch schreiben wollen. Er bringt zweitens den eigent-lichen Büchcrkcru, d. h. kurze Inhaltsangaben der neuen Bücher; ohneKritik; wenigstens nur mit einer in Lob oder Schweigen bestehenden;durch Lob und Schweigen soll indes so deutlich gesprochen werden, daßjeder, der zu lesen versteht, weiß, was zu wissen nötig ist. Drittenssoll das Werk „gleichsam ein dursau cl'ttclröLSö Aeiiör^l cles Zsnscks löttrss" sein: d. h. es soll Gelehrten, die „nützliche Werke vorhabenund keine genügsame Gelegenheit zum Verlag wissen, bester Maßen andie Hand gehen". Viertens sollen jedesmal auch einige der besten Bücherälterer, alter und ältester Zeit ausgezogen werden — sodaß mit derZeit eine kurze Allgemcinbibliothek der besten Bücher entsteht (der Maßstabdabei ist: Wahrheit und Nutzen fürs Allgemeine), samt Kenntnis undGeschichte des Büchcrwesens. Füufteus soll ein Anhang für Codices,sonstige hinterlassene Manuskripte lBricfe, Dissertationen, zerstreute Auf-