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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Die gedruckte Wochcnzcitung bis 1648.

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mit Originalartikeln, das nicht aus andern gedruckten Zeitungenentlehnte.

Das Format der Wochenzcitungen ist durchgehend das Quart, derUmfang ein bescheidener: fast ausnahmslos nur der von zwei Blättern;auch Einblattuummern kommen vor. Nur vereinzelt begegnen Nummernmit vier Blättern, wie eine Hildesheimer Nummer, 1620, und die meistenNummern eines Nürnberger Jahrgangs aus demselben Jahre. Wie imFormat, so erinnern die Zeitungen auch im Titel, im Gegensatz zurmodernen Zeitung, an das Buch: sind sie doch in der Hauptsache nichtsweiter als lieferungsweise erscheinende Chroniken, Jahrbücher. Der General-titel wurde der ersten Nummer beigefügt, nicht erst zuletzt gedruckt: erist meist lang und umständlich, die Zeitungen mit ganz einfachem Kopsesind Ausnahmen; charakteristisch ist die Aufzählung der Hauptkorrespon-denzorte und das Fehlen der Angabe von Erschciuumgsort und Heraus-geber auf dem Titel, sie findet sich nur in seltenen Fällen; die ganze Seiteist mit Zierleisten eingefaßt oder die untere Hälfte mit einer bildlichen Dar-stellung, die zuweilen die Siunbilder oder wirklichen Träger der Nach-richtenbefördernng zeigt, oder mit einigen Reimzcilen geschmückt. Auf deneinzelnen Nummern begegnen Holzschnitte so der Briefbote, den Spieß inder einen, ein Schreiben in der andern Hand nur sehr selten, sie begnügensich mit einem Zicrrand um die Überschrift oder unter ihr, wenn sie nichtÜberschrift und Text durch einen einfachen Strich trennen; bei nicht voll-bedruckter Schlußseite hier zuweilen eine einfache Schlußvignette. Ort undHerausgeber werden auch am Schluß nicht genannt; was kam in der Thatauf sie und ihre Namen an? Die Zeitung bestand im altgemeinen im ein-fachen Abdruck der Relationen aus Rom, Venedig, Wien, Antwerpen ,Amsterdam, Köln, Frankfurt, Prag u. s. w. Das Nachrichtenwesen aberwar ein verhältnismäßig rasch und auf jeden Fall außcrordcutlich regel-mäßig wirkendes. Der Einwohner von Stettin las im Jahre 1620Korrespondenzen aus Rom immerhin schon vier Wochen nach ihremAbgange vou dort in seiner Berliner Zeitnng. Die Blätter erschienenregelmäßig an einem bestimmten Wochentage; sie wurden, soweit sieOriginalartikcl brachten, von stehenden Mitarbeitern bedient, die mitihren Beiträgen den ihnen zugänglichen Ereignissen oder Nachrichten aufdem Fuße folgten und sie an bestimmten Wochentagen, den Posttagen,absandten. Die Anzahl und die Verbreitung der Zeitungen in Deutschland